Eine Inschrift bei der Kirche hält die unwahrscheinlichste Episode des ligurischen Repertoires fest: ein Riesenkrake, der aus dem Meer kam, in der Nacht die Glocken von San Giorgio läutete und Tellaro rechtzeitig weckte, um einen Überfall sarazenischer Piraten abzuwehren. Die Legende hält sich, weil der Ort sie fast glaubhaft macht. Die Kirche steht auf der Spitze von Treggiano, einem Felssporn südwestlich des Dorfes, errichtet auf den Resten einer genuesischen Befestigung des 14. Jahrhunderts; viele Jahre lang gehörte sie zum Verteidigungssystem des Ortes und diente selbst als Befestigung. Apsis und Glockenturm stehen zum Wasser, die Fassade geht auf eine sehr enge Gasse.
Sehenswertes
Der heutige Bau stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde am 1. Mai 1584 vom Apostolischen Visitator Angelo Peruzzi geweiht. Gleich danach machte man einen der Türme der genuesischen Befestigung zum Glockenturm, und genau der steht noch: ein Rundturm, auf dem die quadratische Glockenstube sitzt, mit rundbogigen Fenstern, vier Ecktürmchen, einem achteckigen Tambour und einer Zwiebelhaube. 1618 wurde die Kirche um die Sakristei, die Arkaden des Mittelschiffs und die Gewölbe erweitert.
Die Fassade, an die Gasse gedrückt, zeigt zwei übereinanderliegende Ordnungen von Pilastern, unten toskanisch, oben ionisch, durch seitliche Voluten verbunden und von einem Dreiecksgiebel abgeschlossen; in der Achse öffnet sich ein geschweiftes Portal aus weißem Carrara-Marmor mit zwei Füllhornvoluten und einem Relief des heiligen Georg. Innen drei Schiffe, getrennt durch zwei achteckige Säulen aus schwarzem Stein der Gegend, in der Mitte ein Tonnengewölbe, an den Seiten Kreuzgewölbe, über dem Presbyterium eine Halbkuppel, der Boden aus Rauten in weißem Marmor und Carrara-Bardiglio. Die Altäre sind barock, erhalten ist ein Altarbild des 16. Jahrhunderts, ein Marmorrelief; Taufbecken und Georgsstatue kamen in die neue Pfarrkirche Stella Maris. Auf der Empore steht eine Orgel von 1846 von Nicomede Agati, Orgelbauer aus Pistoia.
Der Besuch
Tellaro ist ein Ortsteil von Lerici am Golf von La Spezia und wird zu Fuß erkundet: Das Auto bleibt am Rand des Ortes, dann geht es über Gassen und Treppen hinunter zur Via San Giorgio und zur Landspitze. Die Pfarrei ist in die neue Kirche Stella Maris umgezogen, San Giorgio hat also nicht mehr den Alltag einer Pfarrkirche und kann verschlossen sein: besser vorher nachfragen. Auch bei geschlossener Tür lohnt der Rundgang außen, denn die Seeseite ist die eigentliche Schauseite des Baus.
Tipp der Redaktion
Wir raten, die Kirche von zwei gegensätzlichen Punkten anzusehen: zuerst aus der Gasse, wo die Pilasterfassade einem entgegenkommt und sich nicht ins Bild bringen lässt; dann von unten, von der Meerseite, wo Apsis und Turm direkt aus dem Fels wachsen und man begreift, dass hier zuerst ein Stützpunkt stand und dann ein Gotteshaus. Suchen Sie auch die Inschrift zum Kraken: Ein Dorf, das eine solche Erzählung über Jahrhunderte mit sich trägt, verdient es, dass man sie vor Ort liest.
