🏺 Archäologische Stätten

Luna

📍 Luni, Ligurien · 62/100

Im Jahr 860 segelte eine Wikingerflotte die tyrrhenische Küste hinauf und plünderte Luni. Den Chroniken zufolge glaubten die Anführer Björn Eisenseite und Hastein, sie seien in Rom angekommen; Hastein ließ sich die Tore öffnen, indem er sich als sterbender Konvertit ausgab. Der Irrtum sagt viel darüber, wie wohlhabend und weithin sichtbar die Stadt vom Meer aus noch wirkte. Rom hatte sie 177 v. Chr. an der Mündung des Magra als Militärposten im Krieg gegen die apuanischen Ligurer gegründet, über einem bereits genutzten etruskischen Handelsplatz: Der Name des Hafens, Portus Lunae, steht in den Quellen, bevor es die Kolonie gab.

Sehenswertes

Das Ausgrabungsgelände zeigt bis heute den strengen Raster der Kolonie: das Forum mit dem Capitolium, wo 1851 die Inschrift von 155 v. Chr. für den Konsul Claudius Marcellus und seinen Triumph über die Ligurer gefunden wurde, das Theater und, außerhalb der Mauern, das große ovale Amphitheater aus dem 2. Jahrhundert, gebaut unter den Antoninen und ausgelegt für 7.000 Zuschauer — bis heute das am besten lesbare Bauwerk des Geländes. Ende des 6. Jahrhunderts war das Forum kein öffentlicher Platz mehr, und Archäologen fanden dort Reste kleiner Holzhäuser.

Der Reichtum von Luna kam aus dem Marmor. Ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. war die Stadt der Verladehafen für den weißen Marmor der Apuanischen Alpen, den lunensischen Marmor, der von hier nach Rom ging, zusammen mit Holz, Käse und Wein; Plinius der Ältere hielt die großen Käselaibe aus Luna für die besten Etruriens. Das staatliche Archäologiemuseum auf dem Gelände zeigt Porträts, Inschriften und Bauteile, die meisten aus den Grabungen der Siebzigerjahre.

Der Besuch

Die Ausgrabung liegt im Ortsteil Luni Scavi der Gemeinde Luni, die bis April 2017 Ortonovo hieß, in der Provinz La Spezia, zwischen Sarzana und Carrara und wenige Minuten von der Via Aurelia entfernt. Gelände und Museum gehören dem Staat und werden von der regionalen Museumsdirektion Liguriens betreut: Öffnungszeiten und Ruhetag wechseln mit der Saison, prüfen Sie sie also vor der Anfahrt. Der Rundgang verläuft fast vollständig im Freien, über festgetretene Erde und Wiese: feste Schuhe, im Sommer Wasser und Hut.

Tipp der Redaktion

Kommen Sie am späten Nachmittag, wenn das flache Licht die Wagenspuren, die Türschwellen und die eingemeißelten Buchstaben wieder hervorholt. Und merken Sie sich eine Jahreszahl: 1471, als Sarzana sein Rathaus mit Quadern baute, die man von hier fortgeschafft hatte — trotz eines päpstlichen Verbots zehn Jahre zuvor. Zwischen diesen Resten sieht man auch, was fehlt.

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