1537 begann nach Auffassung der Gläubigen ein Bild der Muttergottes zu Füßen des Kreuzes, in einem kleinen Oratorium am Monte Boscaccio, Blut zu weinen. Das Oratorium, der Santa Maria del Mortineto geweiht und von der Bruderschaft der Disciplinanti betreut, war um das 15. Jahrhundert entstanden und fasste den nachfolgenden Pilgerstrom nicht mehr: 1540 begann der Architekt Ippolito Marcello aus Lucca einen weit größeren Bau, der 1566 fertig wurde. Das ist die Wallfahrtskirche, die man heute südlich des Ortskerns von Ortonovo sieht, eines Ortsteils der Gemeinde Luni.
Sehenswertes
Die Fassade verdient den ersten Blick: im Bogenfeld über dem Architrav zeigt ein Hochrelief die Muttergottes mit dem Kind zwischen zwei Stiftern, die offenbar die Tracht der örtlichen Bruderschaft tragen. Zunächst schrieb man das Werk einem jungen Michelangelo zu; heute neigt man eher zu einem Bildhauer aus Lucca, der Michelangelo sehr genau studiert hatte. In der Mitte öffnet sich eine Fensterrose, verkleidet mit weißem Carrara-Marmor, dem Stein aus den Brüchen gleich nebenan.
Innen teilen zwei Reihen korinthischer Pfeiler den Raum in drei Schiffe; sie tragen die Deckengewölbe und die Bögen der Kapellen. In der Mitte steht der achteckige Tempietto aus buntem Marmor, 1796 von dem Carrareser Steinmetz Scalabrini gefertigt, mit dem Gemälde der Kreuzabnahme. Die übrigen Zutaten erzählen die Zeit der Dominikaner: 1584 lösten die Patres die Prioren der Bruderschaft ab, 1601 bauten sie Sakristei und Kloster, 1650 einen neuen Chor hinter der Ädikula.
Der Besuch
Die Kirche ist weiterhin in Gebrauch: von 1933 bis 2003 betreuten sie die Orionisten, heute die Priester der Fraternità Missionaria di Maria, einer aus Guatemala stammenden Gemeinschaft. Man fährt von Ortonovo auf schmaler Straße zum Monte Boscaccio hinauf; der Vorplatz vor der Kirche ist der beste Ort für eine Pause, mit der Ebene von Luni und dem Meer im Rücken. Wer das Schiff in Ruhe ansehen möchte, meidet besser die Messzeiten.
Tipp der Redaktion
Nehmen Sie sich vor dem Eintreten zwei Minuten unter dem Bogenfeld, wenn das Morgenlicht schräg darauf fällt: dann versteht man, wie jemand auf Michelangelo kommen konnte. Und wiegen Sie den Namen ab: alt hieß er Mortineto, erst unter französischer Herrschaft wurde daraus Mirteto, vielleicht durch einen schlichten Übertragungsfehler, nachdem die Dominikaner 1800 aus dem Heiligtum und aus dem Dorf vertrieben worden waren. 1888 kehrten sie zurück, als Giacinto Rossi, Bischof von Luni-Sarzana und Brugnato, ihnen ein geschlossenes und verwahrlostes Gebäude übergab.
