🏰 Burgen und Schlösser

Torre Pagliano

📍 Noli, Ligurien · 43/100

Das Rezept ist das aller Wohntürme von Noli, und hier lässt es sich senkrecht ablesen: ein Sockel aus großen Quadern des örtlichen grünen Steins mit wenigen Öffnungen, darüber leichteres Ziegelwerk, durchbrochen von Zwei- und Dreibogenfenstern. Der Torre Pagliano bildet einen einzigen Baukörper mit dem Haus des 14. Jahrhunderts, zu dem er gehört, an der corso Italia; gemeinsam dienten sie als Sitz des Malteserordens.

Sehenswertes

Der Materialwechsel auf halber Höhe ist keine Laune. Der in der Gegend gebrochene grüne Stein trägt die Last und steckt Schläge weg, der Ziegel macht den oberen Teil leichter und erlaubt breite Fenster dort, wo Verteidigung keine Rolle mehr spielt. Dieselbe Logik bestimmt den Rathausturm ein Stück weiter und die casa Repetto neben der Konkathedrale San Pietro, die ebenfalls im 14. Jahrhundert um einen älteren Turm herum wuchs.

Vom mittelalterlichen Inneren ist wenig geblieben. 1906 baute eine Restaurierung unter Angelo Demarchi, dem Assistenten des Architekten Alfredo d'Andrade, die Räume gründlich um, während die Außenseite ihre erkennbare Form behielt. Es sind die Jahre, in denen d'Andrade und seine Schule das ligurische Mittelalter neu deuten: Ihre sehr auslegende Auffassung von Restaurierung ist in weiten Teilen der Altstadt bis heute ablesbar.

Der Besuch

Der Komplex steht an der corso Italia, in der geschlossenen Häuserfront des alten Ortes, wenige Schritte von den Laubengängen entfernt, die einst direkt zum Strand hin offen waren und heute auf die Aurelia blicken: Sie waren das Zentrum des Fischerortes, das nolesische Gegenstück zu Sottoripa in Genua. Man betrachtet ihn von der Straße aus, und um den Turm ganz zu sehen, muss man fast bis zum gegenüberliegenden Gehsteig zurücktreten, denn aus der Nähe schneiden die Nachbarhäuser den oberen Teil ab.

Tipp der Redaktion

Wir schlagen vor, die corso Italia zweimal abzugehen, in beide Richtungen und mit erhobenem Kopf: In der einen Richtung zählt man die Zwei- und Dreibogenfenster, in der anderen versteht man, wie der Turm im Gefüge der Häuser steckt. Danach lohnt der Weg weiter zur Loggia der Republik, wo Tafeln an den Durchzug von Christoph Kolumbus am 31. Mai 1476 und von Giordano Bruno im Jahr 1576 erinnern: wenige Gehminuten, und der kleine Staat erzählt sich ganz.

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