⛪ Kirchen und Heiligtümer

chiesa di San Paragorio

📍 Noli, Ligurien · 58/100

Über den Blendbögen der Hauptapsis sitzen seit etwa 1050 Keramikschalen aus Sizilien oder Nordafrika in der Mauer - es sind die ältesten dieser Art in Ligurien. Was man heute sieht, sind Kopien; die Originale wurden zur Restaurierung abgenommen. San Paragorio steht außerhalb der mittelalterlichen Mauern von Noli, war bis 1572 die Kathedrale des Ortes und ist seit 1890 italienisches Nationaldenkmal.

Sehenswertes

Der Bau ist ligurische Romanik des 11. Jahrhunderts, errichtet über einer frühchristlichen Kirche: drei Schiffe, schwere Pfeiler, halbrunde Apsiden, schmale Lisenen zwischen den Blendbögen, an der Fassade paarweise gesetzt. Der Eingang liegt nicht an der Front, sondern an der linken Flanke, unter einer gotischen Vorhalle aus Stein und Ziegel auf zwei Säulen; das Portal wechselt weiße und schwarze Steine ab, die ligurische Art, eine Schwelle zu kennzeichnen. Links stehen zwei Arkosolgräber, rechts der Vorhalle liegt die Platte des Gandolfo De Gasco, durch eine gotische Inschrift auf 1272 datiert.

Im Inneren trägt der Hochaltar ein bemaltes Holzkreuz aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, verwandt mit dem Volto Santo in Lucca: Christus trägt die lange Tunika, das Colobium, nach östlichem Vorbild. Daneben steht die Kopie der Bischofskathedra von 1239, in deren Rückenlehne das Wappen eines genuesischen Bischofs geschnitten ist. In den Nischen des Presbyteriums haben sich Fresken des 15. Jahrhunderts gehalten, in den Seitenschiffen zeigt eine Tafel von Teramo Piaggio den heiligen Paragorius zu Pferd mit Parteo, Partenopeo und Severino. Treppen zu beiden Seiten des Presbyteriums führen in die Krypta: Sie war der Boden zweier kleiner Kapellen des 4. und 5. Jahrhunderts, und die mittelalterlichen Bauleute haben hier römische Monolithsäulen wiederverwendet.

Der Besuch

Man geht zu Fuß aus der Altstadt hinaus: Die Kirche liegt knapp jenseits des mittelalterlichen Mauerrings, allein auf einer Wiese, entlang der Umfassungsmauer stehen frühchristliche Sarkophage. Das Gelände wurde 1972 von Nino Lamboglia untersucht, der eine spätantike Nekropole und ein Baptisterium freilegte; spätere Grabungen fanden Spuren einer Handwerkersiedlung. Die Öffnungszeiten sind unregelmäßig und wechseln mit der Saison, deshalb fragt man besser vorher bei der Gemeinde oder beim Museum nach - bei verschlossener Tür bleibt nur das Äußere, das den Weg aber ohnehin lohnt.

Tipp der Redaktion

Wir nehmen ein Fernglas oder ein langes Objektiv mit: Die Schalen sitzen hoch oben zwischen Bogenfries und Dachkante, mit bloßem Auge verliert man sie. Danach lohnt der Rückweg in den Ort zur Konkathedrale San Pietro. 1572 wanderte der Titel dorthin, weil San Paragorio vor den Mauern zu ungeschützt lag; wer beide Kirchen an einem Vormittag sieht, versteht diesen Umzug besser als aus jeder Beschriftung.

Noli entdecken

Die ganze Gemeinde: Guide, Orte, Küche und Veranstaltungen.