Außerhalb des Zentrums von Bojano, im Ortsteil Piaggia, an der Straße hinauf nach Civita Superiore, steht eine Kirche, die zu großen Teilen aus älteren Steinen besteht als sie selbst. Der Bau geht mit einiger Wahrscheinlichkeit auf das 6. Jahrhundert zurück und verwendete das Material eines römischen Bacchustempels wieder: In den Mauern lassen sich Schmuckelemente aus dem 1. Jahrhundert erkennen, und rechts vom Eingang zeigt eines der eingelassenen römischen Reliefs eine Frau, aus deren Armen Zweige wachsen. Der Gesamteindruck ist mittelalterlich, doch die erste schriftliche Erwähnung stammt erst von 1623, als der Bischof von Bojano, Ottaviano Garzadori, sie besuchte.
Sehenswertes
In der Mitte der Fassade sitzt ein Portal mit geradem Sturz, wohl vom Ende des 17. Jahrhunderts, darüber eine Lünette mit dem Erzengel Michael, der Satan niedertritt; nach oben schließt ein Giebelglockenturm mit zwei durchbrochenen Bögen ab, die Glocken offen sichtbar. Der Innenraum hat ein einziges Schiff, rund 19 Meter lang und 6 Meter breit, durch Rundbögen in drei Joche geteilt und von Kreuzgewölben überspannt; über dem Narthex öffnet sich eine kleine Empore. Unter dem Fußboden verläuft eine Krypta mit zahlreichen Bestattungen. Rechts des Eingangs ein hölzernes Kruzifix, kurz vor dem Altar die Figuren des Heiligsten Herzens und der Muttergottes, auf dem Altar die Michaelsfigur aus dem 18. Jahrhundert.
Tipp der Redaktion
Wer Bojano kennt, staunt vor allem über eines: Diese Kirche überstand das Erdbeben von 1805 unversehrt, jenes Beben, das die halbe Stadt zerstörte und fast alle anderen Kirchen zum Wiederaufbau zwang. Geschadet haben ihr sehr viel spätere Stöße: Nach dem Beben von 2013 wurde sie geschlossen und erst 2020 wieder geöffnet. Der hintere Glockenturm über der Sakristei kam 1976 hinzu und ist mit bloßem Auge vom übrigen Bau zu unterscheiden. Wer die Straße nach Civita Superiore zu Fuß nimmt, kommt ohnehin an ihr vorbei.
