Am Tor Richtung Bovianum ist eine Inschrift aus der Zeit um 168 n. Chr. eingemauert: eine Anordnung, die den Einwohnern verbot, die durchziehenden Hirten und ihre Herden zu belästigen. Kein anderes Dokument erklärt diesen Ort besser. Saepinum war keine abgeschiedene Stadt zwischen Feldern, sondern eine Station am großen Triftweg Pescasseroli-Candela: Die Herden der Transhumanz zogen durch die Tore und über den Decumanus.
Die römische Stadt liegt in der Ebene am Fuß des Matese, drei Kilometer nördlich des heutigen Sepino, im Ortsteil Altilia. Zuvor saßen die Samniten höher am Berg, in der Befestigung Terravecchia, die den Pass der Crocella überwachte; 293 v. Chr. nahmen die Römer den Ort ein, und das Leben verlagerte sich allmählich an den Straßenknoten zwischen Beneventum und Corfinium. Der Mauerring, den man heute sieht, ist jünger: Tiberius ließ ihn errichten, bevor er Kaiser wurde, so steht es in der Inschrift der Tore.
Sehenswertes
Das Grabungsgelände umfasst etwa ein Dutzend Hektar und hat bewahrt, was fast überall verloren ging: den vollständigen Mauerring mit vier monumentalen Toren an den Kreuzungen von Cardo und Decumanus und neunzehn Rundtürmen, die Mitte des 20. Jahrhunderts freigelegt wurden. Die Türme springen rund drei Meter nach außen wie nach innen vor, tragen außen Schlitze und zur Stadt hin kleine Fenster; das Mauerwerk in opus reticulatum ist Block für Block lesbar, aus Matese-Kalkstein, zu kleinen Pyramiden zugehauen. Hinter jedem Tor öffnet sich das Cavaedium, ein rechteckiger, oben offener Hof, der als Sicherheitsschleuse vor dem zweiten Durchgang diente.
Innerhalb der Mauern liegen das Forum, das Theater, die Spuren der Tempel für Jupiter und Apollo und jene Bauten, die von der Arbeit erzählen: Am Forum haben die Grabungen eine Gerberei und eine Fullonica erkannt, eine Anlage zur Wollverarbeitung, beide bereits zu Beginn des 2. Jahrhunderts v. Chr. in Betrieb. Seit 2023 legen Archäologen eine Domus mit monumentalem Eingang am Decumanus maximus frei, samt einer Warmwasseranlage, deren großer zylindrischer Bleibehälter an die Leitungen angeschlossen war.
Tipp der Redaktion
2021 hat das Kulturministerium den Parco Archeologico di Sepino eingerichtet: Die Anlage wird betreut und ist zugänglich, doch man geht hier oft fast allein über den Decumanus. Kommen Sie zu Fuß durch das Tor von Bovianum, dem Triftweg folgend. Dass die Stadt aufgegeben wurde, zeigen die Gräber des 4. Jahrhunderts innerhalb der Mauern; 882 zogen die Sarazenen durch. Die Steine blieben liegen, wo sie gefallen waren, und genau deshalb steht hier noch, was anderswo verbaut wurde.
