Der volle Titel lautet San Biagio Vescovo e Martire, und die Wahl des Patrons hat in Bojano einen handfesten Grund: Blasius ist der Schutzheilige der Wollkämmer, und das Wollkämmen war hier ein weit verbreitetes Handwerk. Zum ersten Mal taucht die Kirche 1241 in den Akten auf, als ihr bei der von Friedrich II. angeordneten Beschlagnahme des Kirchenguts ein rotes Messgewand aus Seide abgenommen wurde. Dort heißt sie «Ecclesia Sancti Blasii de Porta», nach dem östlichen Stadttor, neben dem sie stand — damals noch außerhalb der Mauern, erst ab dem 17. Jahrhundert innerhalb. 1670 wurde sie wieder eigenständige Pfarrei unter don Ascanio Petraccone, nach fast einem Jahrhundert unter der Kathedrale.
Sehenswertes
Die Fassade bleibt schlicht: ein Steinportal mit geradem Sturz, älter als das Erdbeben, darüber ein rechteckiges und ein rundes Fenster; an der Nordseite ein Giebelglockenturm mit zwei Glocken. Rechts der Tür ist eine römische Inschrift aus der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts eingemauert — einer jener Hinweise darauf, wie tief die Schichten unter den Kirchen von Bojano reichen.
Im Inneren teilt sich der rechteckige Saal in zwei ungleiche Schiffe: das breitere im Süden führt vom Narthex zum Presbyterium, das schmalere im Norden von der Sakristei zum großen Kruzifix aus kupferfarbenem Gips, einer Gabe der Schwestern vom Guten und Immerwährenden Beistand. Auf dem Hochaltar stehen die Figuren der Unbefleckten, des heiligen Pius X. und des heiligen Josef. Den Aufenthalt wert ist aber vor allem die Kapelle des Heiligsten Herzens Jesu mit drei Fresken von Romeo Musa: Margareta Maria Alacoque in Anbetung und zwei Darstellungen des heiligen Blasius, auf einer davon hält er die Kirche mit den Nachbarhäusern in Händen. Zwei weitere Fresken derselben Folge gingen verloren, als die seitlichen Bögen der Kapelle geöffnet wurden.
Tipp der Redaktion
Der Boden, auf dem man steht, ist nicht der ursprüngliche. Das Sant'Anna-Beben von 1805 erzwang einen vollständigen Wiederaufbau: Der Eingang wanderte nach Osten, der Altar nach Westen, genau umgekehrt zu vorher, und Mauern wie Fußboden wurden um mehr als einen Meter angehoben. Die Kapellen an der Südseite stehen dort, wo früher der Friedhof lag. Deshalb wirkt der Bau zugleich alt und aufgeräumt: Der Grundriss ist mittelalterlich, die Höhen sind es nicht.
