⛪ Kirchen und Heiligtümer

chiesa della Beata Vergine Assunta

📍 Villadossola, Piemont · 41/100

Die Kirche der Beata Vergine Assunta steht im Ortsteil Piaggio, auf einem Felssporn am rechten Ufer der Ovesca, und hat eine Gestalt, die man sonst nirgends findet: zwei übereinanderliegende Kirchen, deren gepaarte Apsiden der oberen auf denen der unteren ruhen. Die erhöhte Lage und das Wort castello, das in alten Urkunden als Flurname erscheint, lassen vermuten, dass der Urbau eine Burgkapelle war, die zu einer Befestigung gehörte, welche die via francisca bewachte; diese stieg das Tal hinauf und teilte sich genau dort in den Zweig zum Antronatal und den nach Domodossola.

Sehenswertes

Die älteste Kapelle ist die nördliche, heute unter Straßenniveau: Man erreicht sie durch eine Tür unter der Sakristei und einen unterirdischen Gang, der die ganze Kirche durchquert. Datiert wird sie ins achte oder neunte Jahrhundert, in karolingische oder gar langobardische Zeit, was sie zu den ältesten Zeugnissen sakraler Architektur im Val d'Ossola zählen lässt. Es ist ein einziger Raum mit halbrunder, nach Osten gerichteter Apsis, erhellt von zwei doppelt geschrägten Fenstern, mit Freskenspuren. Später erweiterte man sie, indem man den Fels nach Westen aushieb, verdoppelte ihre Breite und fügte eine zweite Apsis hinzu.

Der Besuch

Im elften Jahrhundert, vielleicht nachdem ein Hochwasser der Ovesca die alte Kirche verschüttet hatte, baute man höher eine neue, mit zwei Schiffen, die genau über den alten liegen; um sie zu tragen, verstärkte man die unteren Räume mit einem Mittelpfeiler und Kreuzgewölben, wie man es bei Krypten tut. Und als Krypta hat die untere Kirche weitergedient, den erhaltenen Fresken nach zu urteilen mindestens bis ins fünfzehnte Jahrhundert. Die Mauern der neuen Kirche bestehen aus Flusskieseln und viel Mörtel, eine grobe Technik im Vergleich zur ganz nahen San Bartolomeo. Ende des sechzehnten Jahrhunderts öffnete man zwei Bögen in der Südwand, um ein kleineres Schiff anzubinden, und 1878 wurde die Nordtür zum Haupteingang.

Tipp der Redaktion

Der Grund, so weit zu fahren, liegt in der Nordapsis der oberen Kirche. In der Kalotte ist eine Trinität am Altar gemalt: die drei Personen als drei gleiche Christusbilder, frontal an einem Tisch sitzend, jede mit dem eucharistischen Kelch. Es ist eine der ältesten bekannten Darstellungen dieser Art und verblüfft auch, wer sich sonst nicht für Ikonographie interessiert. Darunter stehen an der gerundeten Apsiswand sechs Apostel in Zweiergruppen, getrennt von den Fenstern; weitere sechs dürften in der Südapsis gestanden haben. Die Fresken werden zwischen das Ende des zwölften und das dreizehnte Jahrhundert datiert, doch der Stil ist der hieratische der älteren Romanik, der sich in den Alpentälern lange hielt.

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