Die Kirche San Bartolomeo liegt knapp außerhalb der Siedlung von Villadossola, an der Straße nach Domodossola, nahe der Brücke über die Ovesca. Errichtet wurde sie gegen Ende des zehnten Jahrhunderts, während der hohe Glockenturm, sorgfältiger gearbeitet und feiner geschmückt, einige Jahrzehnte jünger ist. Die Bautechnik ist so kundig, dass man an die Comacini denkt, jene Meister, die der lombardischen Romanik ihr Gepräge gaben. Der rote Reiseführer des Touring nennt sie das beste Beispiel romanischer Architektur im Ossola.
Sehenswertes
Das Material ist Beola, der einheimische Stein, in regelmäßigen Blöcken verlegt und mit Lisenen, feinsten Halbsäulen und Reihen von Blendbögen geschmückt. Die Apsis ist durch Lisenen aus Steinplatten in drei Felder geteilt, und unter der Dachkante läuft eine Reihe von Bögen, fünf je Feld; die Wand über der Apsis wiederholt dieselben Motive, mit fünf Feldern und einem kleinen Kreuzfenster in der Mitte. Der Glockenturm erreicht mit dem Kreuz an der Spitze vierunddreißig Meter, verjüngt sich nach oben und verteilt auf sieben Geschosse unten einbogige, weiter oben zwei- und dreibogige Fenster. In der Lünette der Fassadentür sitzt eine Platte des Urbaus, eingeritzt mit einem Kreuz und rätselhaften Zickzackzeichen; weitere Ritzungen finden sich auf den Konsölchen, die die Bögen tragen.
Der Besuch
Das erste historische Zeugnis ist eine Urkunde von 1289, in der die Kirche den Heiligen Fabian und Sebastian geweiht ist, angerufen gegen die Seuchen der Menschen und der Tiere; erst ab der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts trägt sie den Namen des heiligen Bartholomäus, des Patrons von Villadossola. Sie entstand einschiffig mit halbrunder Apsis und wurde im sechzehnten Jahrhundert durch Abbruch der Umfassungsmauern auf drei Schiffe erweitert: Das alte, nun mittlere Schiff wurde um viereinhalb Meter verlängert und mit einem Tonnengewölbe versehen. Im Inneren ist das hölzerne Retabel hinter dem Hochaltar eine Kopie: Das Original von 1596, ein Werk des Andrea Merzagora da Craveggia, wurde 1979 gestohlen und durch eine Arbeit Eugenio Bonellis ersetzt, nach Fotografien neu geschaffen. An den Apsiswänden blieben Fragmente von Fresken des fünfzehnten Jahrhunderts.
Tipp der Redaktion
Das Interessanteste liegt weit unten und will gesucht werden. Auf den Konsölchen der Bögen und auf einigen Platten der Außenmauern kehren Ritzungen in drei Typen wieder: ein verzweigter Baum, ein Halbkreis mit Sonnenzeichen darin, ein Andreaskreuz mit zwei waagerechten Linien darunter. Es sind Zeichen, die zu der Vermutung geführt haben, hier habe eine sehr alte Siedlung gelegen und die Kirche sei über einer früheren heidnischen Kultstätte errichtet worden. Was sie bedeuten, lässt sich nicht sicher sagen, und genau deshalb lohnt es, in Ruhe um die Apsis herumzugehen.
