Die Ciota Ciara öffnet sich an den Hängen des Monte Fenera, auf 670 Metern, und der Name bedeutet in der örtlichen Mundart schlicht helle Höhle. Sie ist das wichtigste Zeugnis des Mittelpaläolithikums im Piemont: Hier hinterließ der Neandertaler Werkzeuge, Speisereste und seit einigen Jahren auch die eigenen Zähne.
Sehenswertes
Die Ablagerung besteht aus Schichten, und jede Schicht ist ein Stück Klima. Die moustérienzeitlichen Steingeräte sind fast durchweg aus Rohstoffen gearbeitet, die man ringsum auflas, Feuerstein und Quarz, was sagt, dass die Bewohner der Höhle für ihr Material nicht weit gingen. Zusammen mit den Geräten kamen die Reste pleistozäner Säugetiere zutage: Höhlenbär und Braunbär, Gämse, Rothirsch, Wildschwein, dazu Kleinsäuger, Wühlmäuse und Siebenschläfer, die besten Thermometer, über die ein Archäologe verfügt. In der Höhle finden sich auch Spuren viel späterer Nutzung, aus spätrömischer und frühmittelalterlicher Zeit, vielleicht durch eine Mönchsgemeinschaft.
Der Besuch
Gelegentliche Grabungen in den Höhlen des Fenera begannen 1951, die systematische Erforschung der Ciota Ciara in den sechziger Jahren; seit 2009 ist die Höhle Grabungsstelle der Universität Ferrara, die 2020 und 2021 drei Zähne eines jungen Individuums barg: einen zweiten unteren Schneidezahn, einen Backenzahn und das Bruchstück eines ersten oberen Schneidezahns. Der Zugang ist zum Schutz der Ablagerung normalerweise gesperrt, doch die Höhle erreicht man über das Wegenetz des Naturparks Monte Fenera.
Tipp der Redaktion
Bevor Sie hinaufsteigen, schauen Sie im Museum für Archäologie und Paläontologie in Borgosesia vorbei: Die Funde vom Fenera liegen dort und im Museo di Antichità in Turin, und die Werkzeuge vor der Felswand gesehen zu haben, verändert den Spaziergang. Bei der Datierung lohnt Genauigkeit: Die Universität setzt den mittleren Teil der Ablagerung auf rund dreihunderttausend Jahre an und die Nutzung der Höhle zwischen diese Schwelle und etwa fünfunddreißigtausend Jahre vor heute, wobei die radiometrischen Analysen dem Naturkundemuseum in Paris anvertraut und bei der Bekanntgabe noch nicht abgeschlossen waren.
