Am 25. Oktober 1219 bestätigte ein Schiedsspruch des Reichsvikars Giacomo di Carisio und des Mailänder Erzbischofs Enrico I. da Settala die Gerichtsherrschaft des Bischofs von Novara über die Riviera di San Giulio und festigte damit die strategische Rolle der Burg von Buccione. Die Festung steht auf der Kuppe eines Hügels an der Grenze zwischen Orta San Giulio und Gozzano, am südöstlichen Ende des Ortasees. Sie entstand im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts, vermutlich auf Betreiben der Grafen Da Castello, und wurde zum historischen Sinnbild für die Unabhängigkeit der Riviera.
Sehenswertes
Wichtigstes Bauwerk der Anlage ist der zentrale Bergfried, ein quadratischer Turm von 23,20 Metern Höhe aus behauenen Steinquadern. Im Inneren gliedert er sich in fünf Geschosse mit Holzböden und endet in einer überdachten Zinnenkammer. Ursprünglich gehörten zur Burg ein quadratischer Mauerring, ein rechteckiger Wirtschaftsbau und ein Zugangsplateau, das Cotta als ummauerten Platz beschrieb, auf dem bis zu fünfhundert bewaffnete Männer Platz fanden. Die archäologischen Grabungen von 2005 haben gezeigt, dass die Fundamente unmittelbar auf dem behauenen Fels aufsitzen, und widerlegten damit die alten Thesen vom Beginn des 20. Jahrhunderts über einen angeblich römischen oder langobardischen Ursprung.
Auf der Spitze des Turms hängt die historische Glocke, die im 14. oder 15. Jahrhundert angebracht wurde. Die Statuten der Riviera di San Giulio verpflichteten die Bevölkerung, bei jedem Läuten zu den Waffen zu eilen. Obwohl gesprungen, erklang sie am 4. November 1918 noch einmal, um das Ende des Ersten Weltkriegs zu verkünden. Im Zweiten Weltkrieg brachte man sie in den Garten der Villa Bossi in Orta, damit sie nicht gestohlen wurde; nach einer umfassenden Restaurierung kehrte sie 2005 auf den Bergfried zurück.
Der Besuch
Die Burg, auch Turm von Buccione genannt, liegt im Sondernaturschutzgebiet Colle della Torre di Buccione. Von der Festung aus überblickst du das gesamte Becken des Ortasees und die Ebene von Novara, mit freier Sicht bis zur Kirche San Gaudenzio in Novara.
Tipp der Redaktion
Sieh dir die Mauertechnik der Quader am Bergfried genau an und richte dann den Blick nach Süden: An klaren Tagen erkennst du die Silhouette von San Gaudenzio in Novara, ein Beleg dafür, wie lückenlos die Festung das Umland im Auge behielt.
