Der Naturpark des Bosco della Partecipanza und der Grangien von Vercelli wurde 1991 eingerichtet und umfasst 1907,94 Hektar in der Provinz Vercelli. Er ist einer der letzten Reste des Flachlandwaldes der Poebene: ein Überbleibsel der großen Wälder, die einst die Ebene bedeckten und im Mittelalter fast vollständig gerodet wurden, um Feldern Platz zu machen. In römischer Zeit war das Gebiet wahrscheinlich ein heiliger Hain.
Sehenswertes
Eichen und Pappeln herrschen vor, doch der eigentliche Reichtum liegt im Unterholz: Man zählt über vierhundert verschiedene Pflanzenarten, eine Zahl, die in der bebauten Ebene nirgends mehr erreicht wird. Der Wald wirkt wie eine Insel. Ringsum liegt die Reismonokultur, die den Lebensraum so weit vereinfacht hat, dass er für viele Tierarten unwirtlich geworden ist; hier drinnen finden ebendiese Arten Zuflucht, und deshalb zählt der Park vor allem für den Naturschutz. Innerhalb seiner Grenzen liegen auch die Abtei Santa Maria di Lucedio, die Abtei von Montarolo und die Kirche der Madonna delle Vigne.
Der Besuch
Der Grund, warum es diesen Wald noch gibt, ist nicht natürlicher, sondern rechtlicher Art, und er steckt im Namen. Die Partecipanza ist ein Zusammenschluss von Familien, denen Bonifatius I., Markgraf von Montferrat, 1202 die Nutzung der Waldfläche zugestand. Seither bewirtschaften diese Familien den Wald nach strengen Regeln über Holzentnahme und zulässige Schläge, Regeln, die ins Mittelalter zurückreichen und die niemand je außer Kraft gesetzt hat. Während ringsum der Wald fiel, bewirkte hier ein kollektives Nutzungsrecht, was kein Schutzgesetz acht Jahrhunderte lang hätte leisten können.
Tipp der Redaktion
Die Waldwege sind breit, eben und schattig und lassen sich zu Fuß oder mit dem Rad mühelos zurücklegen: der richtige Ausflug an einem Sommertag, wenn die Reisfelder ringsum zum Backofen werden. Der Park ist mit der Réserve des Cascades de Banfora in Burkina Faso verschwistert, eine Verbindung, die seltsam wirkt, bis man bedenkt, dass beide Schutzgebiete inmitten intensiv genutzten Ackerlands liegen. Es lohnt sich, den Besuch mit Lucedio zu verbinden, das im Park liegt: Man begreift dann besser, dass Wald und Reisfeld keine gegensätzlichen Landschaften sind, sondern zwei Ergebnisse derselben mittelalterlichen Urbarmachung.
