Als das Erdbeben von 1693 das Val di Noto dem Erdboden gleichmachte, blieb die Chiesa del Carmine eines der wenigen Bauwerke Modicas, das stehen blieb. Zwischen dem späten 14. und dem frühen 15. Jahrhundert als Santa Maria dell'Annunziata errichtet, bewahrt sie damit ein Stück mittelalterliches Modica, das anderswo verloren ging: Ihr spätgotisches Portal, schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Nationaldenkmal erklärt, ist die Visitenkarte eines Gebäudes, das drei Erdbeben überstanden hat.
Sehenswertes
Über dem Portal vom Ende des 14. Jahrhunderts, im chiaramontanischen Stil der Spätgotik, sitzt eine franziskanische Fensterrose mit zwölf Strahlen; die oberen Teile der Fassade und der Glockenturm sind dagegen barocke Umbauten des 18. Jahrhunderts. Drinnen erwartet dich ein kleiner Kunstschatz: die Marmorgruppe der Verkündigung von Antonello Gagini, 1532 an die Karmeliten übergeben, und die Tafel des heiligen Albert, zwischen 1513 und 1517 von Cesare da Sesto gemalt, einem Schüler Leonardo da Vincis. Im Vorraum hat sich eine seltene Madonna del latte aus Pappmaché aus dem 14. Jahrhundert erhalten, so alt wie die Kirche selbst, während über dem Eingang die älteste noch spielbare Orgel Modicas steht, datiert 1774. Neben dem Altar zeigt eine erst kürzlich wieder freigelegte spätgotische Kapelle Reste von Fresken und verbirgt unter ihrem Boden eine Grabkrypta.
Der Besuch
Die Kirche bewahrt auch ihre jüngsten Funde: 2006 kamen bei Arbeiten in einem angrenzenden Raum ein weiteres gotisches Portal vom Ende des 14. Jahrhunderts und eine mit Knochen gefüllte Krypta ans Licht, wohl die Überreste der Karmelitermönche. Es ist ein Bau, der buchstäblich weiter Stücke seiner Vergangenheit herausgibt.
Tipp der Redaktion
Bleib vor dem Portal stehen, bevor du eintrittst: Diese Spitze aus Stein ist das, was das Erdbeben von 1693 nicht zerstören konnte, und erzählt für sich allein vom verschwundenen gotischen Modica. Drinnen halte Ausschau nach Gaginis Verkündigung: Sie gehört zu den schönsten Renaissanceskulpturen der Stadt.
