In Modica gibt es zwei Mutterkirchen, und jahrhundertelang haben sie einander diesen Rang streitig gemacht: San Pietro ist die ewige Rivalin von San Giorgio. Dem Apostel Petrus geweiht, steht sie in der Unterstadt; eine Kirche gab es hier schon im 14. Jahrhundert, 1597 wurde sie zur Kollegiatkirche erhoben. Dass sie sich selbst zur Mutterkirche erklärte, gegen San Giorgio – die «offizielle» Kirche der Grafen von Modica –, entfachte die lange Fehde zwischen «Sangiorgesi» und «Sanpietresi»: Schikanen, Verbote und sogar Steinwürfe gehörten dazu, und erst ein königliches Dekret Karls III. von Bourbon beendete sie.
Sehenswertes
Die Inszenierung beginnt schon auf der Treppe, die vom Corso Umberto I. heraufführt: Auf den Stufen wachen die Statuen der zwölf Apostel, von den Modicanern liebevoll «santoni» genannt, ein Werk von Salvatore Ammatuna und seinem Schüler Pietro Petracolo. Die zweigeschossige Fassade wird vom Wappen «MATER ECCLESIA» und von vier Statuen bekrönt, darunter der Mitpatron San Cataldo. Im dreischiffigen Inneren mit vierzehn korinthischen Säulen fallen der Boden aus Marmorintarsien von 1864 und die freskierten Gewölbe auf. Nicht entgehen lassen solltest du dir die Cappella Mazara, heute Pfarrmuseum, in der eine Madonna del Soccorso aus Marmor von 1507 lombardischer Schule steht. Im Glockenturm läutet «Petra», die größte Glocke Modicas, Zwillingsschwester der «Ippolita» in San Giorgio.
Der Besuch
Ihr heutiges Aussehen verdankt die Kirche den vielen Wiederaufbauten nach Erdbeben; ein Teil aber hielt stand: die Seitenkapelle der Unbefleckten, die die eingemeißelte Jahreszahl 1620 trägt und auch das Beben von 1693 überstand. Zum Rundgang gehören neben dem Museum der Cappella Mazara auch die monumentale Orgel und der Aufstieg auf den Glockenturm.
Tipp der Redaktion
Sieh sie dir zusammen mit San Giorgio an: Die beiden Mutterkirchen mit ihren Zwillingsglocken «Petra» und «Ippolita» erzählen von der geteilten, stolzen Seele Modicas besser als jeder Reiseführer. Und bleib bei den «santoni» auf der Treppe stehen: Ein modicanischerer Empfang ist kaum denkbar.
