Dieser Ort hat zwei Namen, und sie kommen von zwei verschiedenen Dingen. Der ladinische, Sëlva, ist im zwölften Jahrhundert als Silva bezeugt und kommt vom lateinischen silva, dem Wald; der deutsche, Wolkenstein, erscheint im dreizehnten Jahrhundert und kommt von der Burg und von der Familie, die sie hielt. Die Burg kaufte 1293 Randolf von Villanders, der Stammvater der von Wolkenstein, und mit ihr die Gerichtsbarkeit über sieben umliegende Höfe. Sie fiel nicht im Krieg: um 1525 lösten sich von den Felswänden hinter ihr Blöcke, die einen Teil von ihr zerstörten, und niemand baute sie wieder auf. Geblieben sind ein Stück Mauer und ein Hof mit Porphyrsäulen, am Eingang des Langentals. Der Dichter und Komponist Oswald von Wolkenstein wurde 1377 geboren, doch wo genau, weiß man nicht: vielleicht auf der Trostburg, vielleicht in Pfalzen im Pustertal.
Das Übrige haben die Berge entschieden. 1869 bestieg ein Wiener, Paul Grohmann, als Erster den Langkofel. Wenige Jahre später zerstörte nach Tagen von Wolkenbrüchen ein großer Bergsturz zwei Heustadel und einen Hof und tötete sechs Menschen. Die Bahn, die das Tal mit Klausen verband, wurde zwischen 1915 und 1916 von russischen Kriegsgefangenen gebaut und wenige Jahrzehnte später stillgelegt; die Fahrstraßen über das Grödner Joch und das Sellajoch stammen aus denselben Jahren. Die Pfarrkirche hat ihren ältesten Teil in der Sakristei, denn diese war die Votivkapelle des frühen sechzehnten Jahrhunderts, Unserer Lieben Frau im Walde geweiht, um die herum alles Übrige später gebaut wurde. Und dann sind da die Zahlen des Fremdenverkehrs: von rund einer halben Million Nächtigungen Ende der sechziger Jahre auf eine Million Ende der achtziger — und zwei von fünf davon, noch heute, im Sommer.
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