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⛪ Kirchen und Heiligtümer

chiesa di Santa Maria di Nazareth

📍 Venezia, Venetien · 62/100

Es ist die erste Kirche, die man beim Verlassen des Bahnhofs von Venedig sieht, und fast niemand tritt ein: Man kommt heraus, blickt auf den Canal Grande und geht weiter. Drinnen liegt das Grab des letzten Dogen. Ludovico Manin, der 1797 nach tausend Jahren das Ende der Republik unterschrieb, ist hier unter einer Steinplatte mit zwei lateinischen Wörtern und sonst nichts bestattet: die Asche Manins. Kein Denkmal, keine Statue, keine Rhetorik. Es ist das beredteste Grab der Stadt.

Sehenswertes

Die Kirche wurde zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts von den unbeschuhten Karmelitern nach einem Entwurf Baldassare Longhenas gebaut, mit einer Marmorfront von Giuseppe Sardi, bezahlt von einer Familie, die sich den Eintritt ins Patriziat erkaufte. Das Innere ist der reichste Barock Venedigs: farbige Marmore überall, gedrehte Säulen, Engel, steinerne Draperien. Es ist keine feine Kirche, es ist eine Kirche, die verblüffen will, und das gelingt ihr.

An der Decke des Schiffs war ein Fresko Giambattista Tiepolos mit dem von Engeln durch die Luft getragenen Haus von Loreto. Im Oktober 1915 fiel eine österreichische Bombe, nachts auf den Bahnhof abgeworfen, auf das Dach und zerstörte es. Von jenem Fresko sind einige Bruchstücke in den Gallerie dell'Accademia geblieben; das Gewölbe, das man heute sieht, wurde in den dreißiger Jahren von einem anderen Maler neu gemalt.

Der Besuch

Die Kirche steht am Canal Grande neben dem Bahnhof Santa Lucia, fünfzig Meter vom Ausgang; Eintritt frei, mittags und während der Gottesdienste geschlossen. Zwanzig Minuten. Sie ist der ideale Halt in den Minuten vor einem Zug, und niemand nutzt sie so.

Tipp der Redaktion

Suchen Sie Manins Platte im Schiff, rechts: Sie liegt im Boden, ohne Rahmen, und man geht darüber, ohne es zu merken. Heben Sie dann den Blick zum Gewölbe und denken Sie daran, dass der Tiepolo, der dort war, wegen einer auf einen Bahnhof gezielten Bombe fehlt. In einer einzigen Kirche stecken das Ende der Republik Venedig und der Erste Weltkrieg, und kein Schild sagt es.

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