Tausend Jahre lang erreichte man Venedig nur per Boot; dann eröffneten die Österreicher am elften Januar 1846 die große Lagunenbrücke, fast vier Kilometer Ziegel auf zweihundertzweiundzwanzig Bögen, auf fünfundsiebzigtausend Pfähle gegründet, mit dem Zug, der dort in die Stadt fuhr, wo zuvor nur Wasser war. Es brauchte viereinhalb Jahre Arbeit, und mit den Gleisen kam auch die Wasserleitung, die das Trinkwasserproblem endgültig löste. 1933 wurde neben der Eisenbahnbrücke eine Straßenbrücke gebaut, damals Ponte Littorio genannt, die 1946 in Ponte della Libertà umbenannt wurde: Das gewählte Datum, der fünfundzwanzigste April, war in Venedig ohnehin seit Jahrhunderten Feiertag, denn es ist der Markustag.
Sehenswertes
Die Überfahrt, das Einzige, was es zu sehen gibt, und sie ist die Reise wert: Mit Zug oder Bus überquert man die Lagune, Wasser zu beiden Seiten, die hölzernen Dalben, die kleinen Boote, die flachen Inseln am Horizont, und voraus Venedig, das wächst, bis es zu Glockentürmen wird. Im Zug schaut das linke Fenster nach Murano und zur nördlichen Lagune, das rechte zur Giudecca und zum Hafen. Es ist der Moment, in dem man begreift, dass man in eine Stadt fährt, die mitten im Meer steht.
Auf der Eisenbahnbrücke, zum Festland hin, das Denkmal mit zwei Kanonen von 1849, zum Gedenken an die Gefallenen der Batterie Sant'Antonio, als die gegen die Österreicher erhobenen Venezianer sich genau hier verteidigten. Am Ende der Piazzale Roma, wo die Autos endgültig stehen bleiben und die Stadt zu Fuß beginnt; und daneben die Ponte della Costituzione von Santiago Calatrava, von 2008, die vierte über den Canal Grande, umstritten und rutschig, die zum Bahnhof führt.
Der Besuch
Die Brücke überquert man mit dem Zug bis zum Bahnhof Santa Lucia, mit dem Bus oder dem Auto bis zum Piazzale Roma und zum Tronchetto, wo die Parkhäuser sind; zu Fuß und mit dem Rad ist die Durchfahrt nicht erlaubt. Zehn Minuten Überfahrt. Autofahrer sollten wissen, dass es hinter dem Piazzale Roma nicht weitergeht: Von dort an ist Venedig nur zu Fuß oder per Vaporetto.
Tipp der Redaktion
Wenn Sie mit dem Zug kommen, setzen Sie sich ans Fenster und schauen Sie in diesen zehn Minuten nicht aufs Telefon: Das erste Mal, dass man Venedig aus dem Wasser steigen sieht, ist ein Bild, das sich nicht wiederholt. Und wenn Sie mit dem Auto kommen, lassen Sie es am Tronchetto und nehmen Sie das Vaporetto statt des People Movers: Es kostet wenig mehr und bringt Sie vom Wasser her in die Stadt, so wie die Stadt gebaut wurde.
