Minerbe zählt 4.667 Einwohner in der Ebene von Verona und trägt den Namen einer Göttin: Es hieß Vicus Minervinus, und die Römer hatten hier einen Tempel für Minerva errichtet. Jener Tempel stand dort, wo heute die Kirche San Zeno steht — an deren Mauern noch eine römische Inschrift zu lesen ist —, und die Überlieferung erzählt, es sei der heilige Zeno selbst gewesen, der ihn predigend zu Fall brachte. Auf den Feldern rund um den Ort kamen Hunderte von Knochen zutage, und man vermutet, dass 312 hier eine Schlacht zwischen den Truppen des Maxentius und denen Konstantins geschlagen wurde.
Die Geschichte Minerbes schreibt die Etsch. Sie beginnt mit der rotta della Cucca von 589, der Flut, die die Gewässerordnung des ganzen unteren Veneto umwarf, und geht weiter mit Jahrhunderten von Deichen, die zu bewachen, Abzugsgräben, die offen zu halten, und Reisfeldern, die zu bewässern waren — und mit dem Hochwasser von 1776, an das der Ort sich noch erinnert. Der Rest ist eine Liste von Unglücken, fast komisch, wenn man sie am Stück liest: zwei Brände, die fast den ganzen Ort zerstörten, Räuberbanden, die Plünderungen des französischen Heeres, Pest, Cholera. Und die Malaria der Reisfelder, die vor allem die Kinder traf: In San Zenone musste man eine Malariakolonie einrichten.