🏰 Burgen und Schlösser

castello di Pilato

📍 Nus, Aostatal · 52/100

Pontius Pilatus hat den Ort nie betreten, doch der Name blieb. Der Sage nach machte der römische Statthalter hier Halt, als er ins Exil nach Vienne in Gallien zog; Glaubwürdigkeit verlieh ihr der Fund von 1846, als zwischen den Ruinen antike Münzen und römische Medaillen zutage kamen, überliefert von Édouard Aubert. Tatsächlich stand in Nus zur Römerzeit nur eine Mansio.

Sehenswertes

Von dem rechteckigen Wehrhaus, das einst vier Geschosse hatte, blieben drei dicke Umfassungsmauern aus nacktem Stein und die beiden hängenden Ecktürmchen, bestens erhalten. Die Südmauer mit dem Tor wurde zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert zur Verbreiterung der Straße abgetragen, dann wiederaufgebaut und in den sechziger Jahren durch einen Autounfall erneut zerstört. An der Westmauer fällt das bearbeitete Gewände eines Kreuzfensters auf; im Inneren zeigt das Mauerwerk noch, wo ein großer Kamin stand.

Der Besuch

Die jüngste Restaurierung brachte ein Dach aus Glas und Stahl und eine hinter einer Holzkonstruktion verborgene Metalltreppe an der Südseite, wo die Wand fehlt: Man steigt frei bis zum Wehrgang und zu den beiden Türmchen hinauf. Drinnen informieren Tafeln über Ort und Umgebung. Die erste schriftliche Spur ist die Huldigung von 1337 durch Alexandre und Jean de Nus; verlassen wurde das Haus nach einem Brand gegen Ende des 16. Jahrhunderts, als die Herren auf die Burg am Felsvorsprung zogen: Die hier verwahrten Familienurkunden gingen verloren.

Tipp der Redaktion

Das ist der seltene Fall einer Ruine, die man wirklich betreten kann, kostenlos und mitten im Ort, an der Via Francigena. Man lehne sich aus den Türmchen: Auf einen Blick versteht man, warum ein Wehrhaus genau dort stand, an der Straße.

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