Cervia liegt dort, wo es liegt, weil ein Papst es versetzen ließ. Die alte Stadt lag mitten in den Salinen, zwischen Sümpfen und den Mücken der Malaria, und im siebzehnten Jahrhundert war sie auf wenige hundert Einwohner geschrumpft; 1697 unterzeichnete Innozenz XII. das Dekret, sie weiter östlich wieder aufzubauen, nahe am Hafen und in gesünderer Luft. Das Schriftstück legte fest, wie viele Häuser zu bauen seien und wo Kathedrale, Bischofspalast und Gefängnis stehen sollten: Heraus kam eine Stadt auf rechteckigem Grundriss, von Mauern umschlossen, mit nur zwei Toren, die man jeden Abend verriegelte. Darin standen das Salzmagazin, das dreizehntausend Tonnen fasste, und der Turm San Michele, errichtet gegen die Korsaren, die seit dem sechzehnten Jahrhundert diese Küste heimsuchten und ihre Männer in Algier verkauften.
Das Salz erklärt alles Übrige. Jenes von Cervia heißt süßes Salz, weil ihm die Sulfate fast fehlen, die einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen, und das feinste davon, den salfiore, begann ein Bischof dem Papst zu schenken: Es wurde zum Salz des Papstes und kam bis 1870 auf die päpstliche Tafel. In der Saline Camillone wird es noch von Hand geerntet, nach der Art des Ortes. Und seit 1445 wirft der Bischof am ersten Sonntag im Mai einen Ring ins Meer, wie es einer seiner Vorgänger in einem Sturm auf der Rückfahrt von Venedig tat, und Rettungsschwimmer und Fischer tauchen danach: Das Fest am Abend gehört dem, der ihn findet. Im Norden liegt die zweite Gründungsstadt der Gemeinde, Milano Marittima, zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts nach dem Vorbild der Gartenstadt angelegt, und ringsum ein Pinienwald von zweihundertsechzig Hektar zwischen dem Meer und neun Kilometern Strand.