Mongrassano ist ein Ort, den man wie eine Karte lesen kann: seine Zonen sagen, wer zuerst kam und wer später. Heute gilt der Ort als in fünf Teile gegliedert, und schon die Namen erzählen es. «Li Romani» ist die älteste Siedlung und hat ihren Namen von der Anwesenheit der Italiener, wie italienisch auch «La Costa» und «Lo Piano» waren; «La Sciuria», auf Arbëresh Shurja, und «Serra di Leo», Sardalia, sind dagegen die Zonen, in denen sich die Albaner niederließen. Serra di Leo war überdies jahrhundertelang ein eigener casale, mit eigener Geschichte und eigenen Baronen, und schloss sich den anderen erst zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts an: 1811 wurde es Mongrassano angegliedert, und 1816 wurde das Ganze eine Gemeinde. Den Ort gab es schon im zwölften Jahrhundert, mit Namen, die sich in jeder Urkunde änderten — Mons Crasanus, Mocrasani, Moncressano —, und in seinem Gebiet stand ein der Santa Maria geweihtes Kloster, von dem heute keine Spur bleibt.
Die Geschichte der Albaner von Mongrassano kennt man vor allem über die Steuern. Sie waren schon 1488 hier, als sie das Viertel der Sciuria gegründet hatten und dafür mit zwanzig Dukaten besteuert wurden; vier Jahre später wurden sie schlicht nicht mehr gezählt. Dann kam 1543 eine Steuererhebung, die alle vierundvierzig albanischen casali des diesseitigen Kalabrien betraf, und für Mongrassano nennt sie dreiundsechzig fuochi, also Haushalte, mit hundertvierundneunzig Einwohnern — samt der Liste der Familiennamen, die die königlichen Zähler aufschrieben: Arrigoni, Capparello, Cingaro, Drames, Lo Russo, Migliano, Mosciara, Petta, Rotundo, Smilara, Tabularo und Yerbes. Von den späteren Zählungen bleiben nur die Summen, und sie erzählen eine harte Geschichte: 1669, als die Pest wiedergekehrt war, waren die Haushalte auf dreiundvierzig gefallen. Die arbëreshe Sprache ist hier mit der Zeit fast völlig verschwunden — während sie wenige Kilometer entfernt, in San Benedetto Ullano, noch gesprochen wird.