Auch Caivano trägt den Namen eines Grundherrn: fundus Calvanium, das Gut der Familie Calvanium. Das Gebiet gehörte zu Atella, der Stadt, die Italien die fabulae Atellanae schenkte, jene oskischen Possen, von denen die Commedia dell'arte abstammt; und die Römer vermaßen es zweimal, mit der Zenturiation der Gracchen und der augusteischen. Die erste ist noch lesbar, wenn man weiß, wohin man schauen muss: Sie entschied, wo die Kirchen und der Burgturm stehen würden. Diese Burg hielt unter Alfons von Aragón drei Monate Belagerung stand, bevor sie sich ergab.
Das religiöse Herz ist die Wallfahrtskirche Maria Santissima di Campiglione, in der ein byzantinisches Fresko verehrt wird: die Madonna mit erhobenen Armen zwischen den zwölf Aposteln, Ziel von Pilgerfahrten seit dem Wunder von 1483, gefeiert am zweiten Maisonntag. Doch die schönste Geschichte Caivanos ist eine aus Milch: Ende des neunzehnten Jahrhunderts wurde hier Maria Consiglia Zampella geboren, die Amme von Peppino De Filippo — und einmal kehrten sich die Rollen um, denn nicht sie ging nach Neapel: Luisa De Filippo brachte das Kind hierher und besuchte es vier Jahre lang mit Eduardo und Titina. Peppino nannte sie stets seine zweite Mutter. Heute kennt Italien Caivano wegen des Parco Verde, der Siedlung, die in den achtziger Jahren mit den Mitteln für die Erdbebenvertriebenen der Irpinia gebaut und als Zeichen der Wiedergeburt gedacht war. Ringsum bleiben die alten Höfe und die Tomatenebene, Neapel zwölf Kilometer in die eine, Caserta dreizehn in die andere Richtung.