Das Collegio degli Augustali ist ein römischer Kultbau im antiken Herculaneum, der beim Vesuvausbruch von 79 n. Chr. verschüttet wurde und in dem sich wahrscheinlich das Priesterkollegium der Augustalen traf, das dem Kaiserkult diente. Es entstand Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. in augusteischer Zeit und wurde von zwei Brüdern finanziert, A. Lucius Proculus und A. Lucius Iulianus, die am Tag der Einweihung auch den Augustalen und den Dekurionen ein Festmahl gaben, wie eine 1960 gefundene Inschrift festhält, die heute an einer Seitenwand befestigt ist.
Sehenswertes
Das Innere ist ein einziger quadratischer Raum, durch vier kannelierte toskanische Säulen dreischiffig geteilt, die ein beim Ausbruch eingestürztes Oberlicht trugen; die Kapitelle aus Piperno sind mit blau und rot bemalten Eierstäben und Blättern verziert. Die Wände haben Pilaster, die sich zu Blendbögen aus Ziegeln schließen, und in der Decke sieht man noch verkohlte Holzbalken. Im Mittelschiff öffnet sich zwischen zwei Mauern aus Opus reticulatum das Sacellum, nach dem Erdbeben von 62 hinzugefügt, zu dem zwei Marmorstufen hinaufführen. Es ist im vierten Stil ausgemalt: An den Seitenwänden zeigen über tragischen Masken und gemalten Fenstern mit von geflügelten Victorien gelenkten Zweigespannen zwei Bilder Herkules im Kampf mit Acheloos und die Apotheose des Herkules mit Minerva und Juno, im Hintergrund ein Regenbogen, vielleicht ein Bild Jupiters. Der Boden ist Opus sectile aus farbigem Marmor, und hinten trug eine Halbsäule wohl eine Büste des Augustus.
Im rechten Schiff entstand durch eine Trennwand aus Opus craticium eine Kammer für den Wächter: Sein verkohlter Leichnam wurde auf dem Bett gefunden, eingeschlossen von herabgefallenem Putz. Im Kollegium fand man Statuen des Titus, des Augustus und des Claudius als Jupiter mit dem Blitz in der Hand sowie von Angehörigen des Marcus Nonius Balbus, dazu ein rundes Holztischchen mit Beinen in Form von Windhunden. Das Gebäude wurde am 18. Mai 1740 durch die Stollen von Roque Joaquín de Alcubierre entdeckt und zwischen 1960 und 1961 von Amedeo Maiuri unter freiem Himmel ausgegraben.
Der Besuch
Das Kollegium hat den Haupteingang am Decumanus maximus, wo der verkohlte Türpfosten aus Holz erhalten ist, und einen Nebeneingang am Cardo III. Es gehört zum Ausgrabungsgelände: Öffnungszeiten und Eintrittspreise sind beim Archäologischen Park Herculaneum zu erfragen.
Tipp der Redaktion
Draußen, rechts vom Haupteingang, steht eine kleine, von vier Pfeilern aus gelbem Tuff umschlossene Anlage mit einer Marmorplatte und vier Säulchen, von denen nur eines original ist: Ihre Funktion ist unbekannt, die Forscher denken an ein Triclinium, eine Latrine oder einen heiligen Bezirk.


