⛪ Kirchen und Heiligtümer

chiesa di San Ferdinando

📍 Napoli, Kampanien · 64/100

Die Neapolitaner nennen sie die Kirche der Künstler, weil hier die Trauerfeiern für Schauspieler, Sänger und Komiker stattfinden und der Platz sich mit Menschen füllt, die klatschen, wenn der Sarg heraustritt: Totò, Eduardo, Massimo Troisi, Pino Daniele. Sie steht an der Piazza Trieste e Trento, zwischen dem Teatro San Carlo, dem Café Gambrinus und dem Königspalast, also am theatralischsten Punkt der Stadt. Die Jesuiten bauten sie ab 1636 mit den vierzigtausend Dukaten einer spanischen Vizekönigin, nach einem Entwurf, der durch drei Hände ging und Cosimo Fanzago zugeschrieben wird; dann wurden 1767 die Jesuiten aus dem Königreich vertrieben, und die Kirche wurde dem heiligen Ferdinand von Kastilien neu geweiht, um König Ferdinand IV. zu gefallen.

Sehenswertes

Das Gewölbe des Schiffs, Ende des siebzehnten Jahrhunderts von Paolo De Matteis mit der Glorie der jesuitischen Heiligen freskiert: sein größtes Werk in Neapel, eine Maschine aus Wolken, Engeln und Verkürzungen, die die Decke durchbricht, gemalt von einem Schüler Luca Giordanos, der in Rom und Paris gelernt hatte. Darunter das einzige Schiff mit den Seitenkapellen und die Kuppel, die der Vizekönig senken ließ, weil sie den Blick vom Maschio Angioino nahm.

In den Kapellen die Marmorarbeiten und Skulpturen von Domenico Antonio Vaccaro, dem größten neapolitanischen Bildhauer des frühen achtzehnten Jahrhunderts, und Leinwände des siebzehnten; am Portal das Wappen der Erzbruderschaft der Sieben Schmerzen, der die Kirche seit 1827 gehört und der erst die Bourbonen und dann das Haus Savoyen beitraten. In einer Kapelle ruht Lucia Migliaccio, Herzogin von Floridia, die morganatische zweite Frau König Ferdinands I., nach dem Tod Maria Karolinas geheiratet: Das Denkmal ließ ihr der König errichten.

Der Besuch

Die Kirche liegt an der Piazza Trieste e Trento, gegenüber dem Gambrinus und neben dem Teatro San Carlo, fünf Minuten von der Piazza del Plebiscito und der Galleria; Eintritt frei zu Kirchenzeiten mit Mittagsschließung. Eine Viertelstunde. Wenn Sie den Platz voll und die Tür offen mit Leuten davor finden, ist es eine Trauerfeier: Man wartet und schaut aus der Ferne zu.

Tipp der Redaktion

Treten Sie ein und stellen Sie sich unter das Gewölbe De Matteis', den Kopf im Nacken, bis Ihnen schwindelt: Das ist neapolitanische Barockmalerei, die tut, wofür sie geboren wurde, nämlich ein Loch in die Decke zu öffnen. Dann gehen Sie hinaus und setzen sich gegenüber ins Gambrinus: Zwischen zwei Espressi ist diese Kirche der Ort, an dem Neapel die Seinen verabschiedet, und das kann kein Museum zeigen.

Napoli entdecken

Die ganze Gemeinde: Guide, Orte, Küche und Veranstaltungen.