Im Tal zwischen Kapitol und Palatin entschied sich über mehr als tausend Jahre das Schicksal Roms: Das Forum war vom Zeitalter der Könige bis zum Untergang des Reiches das politische, gerichtliche, religiöse und wirtschaftliche Zentrum der Stadt. Ursprünglich war es eine sumpfige Ebene, zwischen dem 10. und 7. Jahrhundert v. Chr. als Gräberfeld der Dörfer auf den Hügeln genutzt; um 600 v. Chr. legte König Tarquinius Priscus sie trocken, indem er die Cloaca Maxima anlegen und den Boden pflastern ließ.
Mit dem Niedergang der Spätantike begannen Plünderungen und Verschüttungen, bis das inzwischen begrabene Gelände im 16. Jahrhundert zur Rinderweide geworden war: Man nannte es Campo Vaccino. Die Grabungen, die Ende des 19. Jahrhunderts einsetzten, haben es Schicht für Schicht wieder freigelegt.
Sehenswertes
Die Via Sacra durchquert das Areal von den Hängen des Kapitols bis zum Titusbogen und berührt dabei die wichtigsten Bauten: die Kurie, Sitz des Senats; den Lapis Niger, das dunkle Steinpflaster, unter dem die älteste bekannte lateinische Inschrift zum Vorschein kam; den Saturntempel, in dem das Ärar lag, also der Staatsschatz; den Tempel der Dioskuren, geweiht 484 v. Chr.; den Vestatempel und die Regia. An den Längsseiten des Platzes stehen sich die Basilica Aemilia und die Basilica Iulia gegenüber – letztere von Cäsar veranlasst und unter Augustus vollendet –, während der Tempel des vergöttlichten Iulius 29 v. Chr. von Augustus geweiht wurde, nach der Vergöttlichung Cäsars. Die letzte große Ergänzung ist die Maxentiusbasilika von 312 n. Chr.
Der Besuch
Das Ausgrabungsgelände liegt zwischen Palatin, Kapitol, Via dei Fori Imperiali und Kolosseum und bildet mit diesem einen einzigen großen antiken Rundgang, den jährlich über 4,5 Millionen Menschen besuchen. Der eigentliche Platz, in der Kaiserzeit von den Bauten ringsum auf ein Rechteck von etwa 130 mal 50 Metern zusammengedrängt, lässt sich im Travertinpflaster augusteischer Zeit noch immer ablesen. Das ist kein Ort, den man einfach „durchquert“: Hier liegen zehn Jahrhunderte Baugeschichte übereinander, und jede Ruine gehört einer anderen Epoche an.
Tipp der Redaktion
Bevor du zwischen die Ruinen hinuntersteigst, schau dir das Tal von oben an, von der Kapitolsseite: Sulla hat diesen Hintergrund mit dem Bau des Tabulariums begradigt, und von dort oben fügt sich die Reihe der Tempel und Basiliken zu einem einzigen Blick zusammen, der sich zwischen den Grabungen verliert. Geh dann die Via Sacra in Richtung Kapitol: Das ist die Marschrichtung der antiken Triumphzüge, als die siegreichen Feldherren das Forum hinaufzogen, um zum Tempel des Jupiter Optimus Maximus zu gelangen.
