In Bordighera gilt Pompeo Mariani als der Maler, der die Königin warten ließ. Margherita von Savoyen erschien unangemeldet in der Via Fontana Vecchia, um ihm zum Porträt Umbertos I. zu gratulieren; Mariani steckte in Arbeitskleidung, ging sich umziehen, und als er in der Tür der Specola stand, wartete die Königin schon zehn Minuten. Der Besuch verlief gut: Der Hausherr nutzte ihn für ein rasches Porträt der Königin, das heute im Internationalen Institut für Ligurische Studien liegt.
Sehenswertes
Das Haus begann als Cottage: 1885 ließ es Gräfin Fanshawe von Charles Garnier, dem Architekten der Pariser Opéra, an den Hang bauen, ein Geschoss über dem Keller, mit einem großen Fenster, das noch vorhanden ist. Mariani, Neffe des Malers Mosè Bianchi, kaufte 1909 und holte sofort Luigi Broggi und Angelo Savoldi, um aufzustocken; 1914 erweiterte dann sein Freund Rodolfo Winter den Nordwestflügel und schuf die Terrasse über der Unterstadt, dem Meer und der französischen Küste, womit die Villa 600 m² erreichte. Drinnen stehen noch die originale Einrichtung und die Dinge des Malers: der Salon mit dem Täfelwerk von Eugenio Quarti, die Pendeluhr, ein Geschenk Arturo Toscaninis, mit einer Szene aus Turandot, die Messingvitrine, die Giovanni Lomazzi für die Pariser Weltausstellung von 1889 anfertigte, das unberührte Schlafzimmer mit Rasiermessern und Körperpuder auf dem Bord.
Im Garten steht die Specola, das Atelier, das Rodolfo Winter 1911 baute: rund 250 m² mit Glaswänden und Oberlicht, damit das Licht drinnen dem draußen gleicht. Über dem Eingang hängt das schmiedeeiserne Vordach von Alessandro Mazzucotelli, an den Ecken sitzen eine Fiale des Mailänder Doms und das Reliefporträt von Marianis Frau Marcellina Caronni, signiert von Paolo Troubetzkoy. Innen rahmt Quartis Bücherwand-Schreibtisch ein Fenster, ein Kamin des 18. Jahrhunderts schließt den Raum wie eine Apsis, und über der Tür blieb die Empore, von der aus man dem Maler bei der Arbeit zusah. Vom Garten, einem Hektar aus den alten Moreno-Gärten, bleiben vor allem die Taggiasca-Oliven in Erinnerung: zwei davon, nahe der Specola, schätzt die Forstbehörde auf etwa 500 Jahre.
Der Besuch
Die Villa Mariani ist ein Privathaus, kein Museum mit durchgehenden Öffnungszeiten: In der Specola sitzt die Fondazione Pompeo Mariani mit der ständigen Ausstellung der Bilder des Hausherrn und derer seines Onkels Mosè Bianchi, Besuche werden vorher vereinbart. Seit 2008 gehört das Haus zur Vereinigung der italienischen Herrenhäuser und zählt zu den etwa 200 Malerateliers des 19. und 20. Jahrhunderts, die weltweit noch zu besichtigen sind; die Gärten sind Teil der Grandi Giardini Italiani. Man steigt von der Via Fontana Vecchia hinauf, oberhalb des Zentrums: Für Haus, Atelier und Park rechnet man gut eine Stunde.
Tipp der Redaktion
Suchen Sie den Olivenbaum von Monet. Der französische Maler kam 1884 durch Bordighera und arbeitete in diesem Teil der alten Moreno-Gärten: Tafeln im Park zeigen seine Bilder genau dort, wo sie entstanden, und der Baum der Studie mit Olivenbäumen ist noch zu erkennen. Gehen Sie danach auf die Südseite der Villa und schauen Sie zum Balkon von Marianis Schlafzimmer hinauf: Dort hat Mazzucotelli seine Signatur in Eisen hinterlassen, „Ave Mariani pictor celeberrime el to Lisander ferreé“.
