Italiens erstes Spielkasino eröffnete weder in Sanremo noch in Venedig, sondern in Ospedaletti, in einer Villa, die zwischen 1883 und 1884 an der Riviera di Ponente errichtet wurde. Bauherrin war die Société Foncière Lyonnaise, jene französische Gesellschaft, die diesen Küstenabschnitt damals in einen Kurort verwandelte; der Entwurf stammt vom Nizzaer Architekten Sébastien Marcel Biasini, die Wandmalereien vom Maler Rodolfo Morgari. Das Spielhaus arbeitete gut zwanzig Jahre, bis 1905: dann ging die Konzession an die Präfektur zurück und wurde vom benachbarten Sanremo erworben, das damit sein eigenes städtisches Casinò begründete. Villa La Sultana wurde daraufhin Sitz eines privaten Klubs.
Sehenswertes
Wer heute herkommt, findet eine Ruine, und das sollte man vorher wissen: Das Gebäude steht seit über einem halben Jahrhundert leer, und 2006 hat ein großer Brand den Rest besorgt. Geblieben sind der Baukörper des 19. Jahrhunderts und die Gliederung der Fassade, von der Straße aus noch lesbar, mit der regelmäßigen Reihung der Öffnungen und einem Maßstab, der zum damaligen Dorf in keinem Verhältnis stand — und gerade dieses Missverhältnis erzählt alles.
Die Wandmalereien Rodolfo Morgaris waren die eigentliche Visitenkarte des Spielsaals und sind der schwerste Verlust: von diesem Dekorationsprogramm ist praktisch nichts mehr zu sehen. Man sollte sich vor Augen halten, wer hier verkehrte: ein internationales Publikum, das den Zügen der Strecke Genua-Ventimiglia entstieg, die in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts eröffnet wurde, und das Ospedaletti als Winterstation wählte, bevor Sanremo zur mondänen Hauptstadt der Riviera wurde.
Der Besuch
Eine Besichtigung im eigentlichen Sinn gibt es nicht: Der Bau ist einsturzgefährdet und eingezäunt, man betrachtet ihn von außen, Öffnungszeiten und Eintritt existieren nicht. Ospedaletti erreicht man über die Aurelia zwischen Sanremo und Bordighera; der Ort ist einer der Endpunkte des Rad- und Fußwegs auf der stillgelegten Bahntrasse Genua-Ventimiglia, wer mit dem Rad kommt, fährt genau dort in den Ort hinein. Am besten erschließt sich die Villa immer noch beim langsamen Gang entlang der Uferpromenade.
Tipp der Redaktion
Wir würden den Halt mit einem Spaziergang bis zum Corso Regina Margherita verbinden, jener Achse, die die Société Foncière Lyonnaise zusammen mit zwölf weiteren neuen Straßen anlegte, nachdem sie Ospedaletti im August 1880 als mögliche Winter- und Sommerstation ausgewählt hatte. Nebeneinandergestellt — die Villa, der Corso, der stillgelegte Bahnhof — erzählen diese Stücke von einer französischen Immobilienwette an der Riviera, die gut zwanzig Jahre hielt und sich heute fast nur noch an Ruinen und Ortsnamen ablesen lässt. Nehmen wir ein Teleobjektiv mit: von diesem Gebäude erfasst man das Verbliebene am besten, wenn man auf die Details zoomt.
