🏰 Burgen und Schlösser

Villa Gavotti

📍 Albisola Superiore, Ligurien · 48/100

Am 29. Januar 1765 wurde Francesco Maria della Rovere zum Dogen der Republik Genua gewählt und ließ sofort das Familienhaus in Albisola Superiore vollständig instand setzen: 100.000 Zecchini für ein Gebäude, das er 1744 von seinem Vater Clemente geerbt hatte. Man nannte es Cà Grande, und der örtlichen Überlieferung nach kam hier Papst Julius II. zur Welt. Kurz nach dem Tod des Dogen ging die Villa an Luigi Gavotti über, einen Verwandten der Della Rovere; von ihm stammt der heutige Name, und der Familie gehört sie bis heute.

Sehenswertes

Der Grundriss ist typisch ligurisch: ein kantiger Baukörper über drei Geschosse, die Kapelle an der Nordseite, im Süden zwei niedrige Terrassenflügel, spiegelgleich, die in zwei geschwungenen Freitreppen zusammenlaufen. Dazwischen liegt der italienische Garten mit vier Brunnen, dahinter das Wäldchen aus Zypressen, Steineichen und Libanonzedern mit der Skulpturengruppe des Herkules im Kampf mit dem Nemeischen Löwen. Die Balustraden bestehen aus Carrara-Marmor, bekrönt von Vasen und Statuen toskanischer Bildhauer.

Unter der Nordterrasse liegen die drei Jahreszeitensäle, 1760 von den Mailänder Brüdern Porta in Stuck gearbeitet: im Frühling wachsen blühende Pflanzen wie aus Vasen aus den Kapitellen und ranken zur Decke, im Sommer schneiden Putten das Korn unter Zweigen voller Früchte, im Herbst winden sich Weinranken um die Fenster. Der vierte Saal ahmt eine Grotte nach, ausgekleidet mit Muscheln, Tropfsteinen aus der nahen Höhle von Bergeggi und Korallen: Die ursprünglichen Korallen nahmen Napoleons Truppen mit, ersetzt wurden sie durch Stuck. In der Kapelle stehen die Orgel von Tommaso II Roccatagliata aus dem Jahr 1762 und eine heilige Katharina von Francesco Schiaffino. Im Hauptgeschoss malte Andrea Levantino Szenen aus dem Landleben auf Wände, Türen, Vasen und Keramikfliesen; die Möbel kamen nicht aus Paris, wie es die Mode verlangte, sondern von Tischlern aus Albisola und Genua.

Der Besuch

Die Villa steht an der Via Francesco Maria della Rovere, in der Ebene hinter dem Ortskern. Sie ist kein Museum mit festen Zeiten: Der Besitz ist privat, Öffnungen sind gelegentlich und an Veranstaltungen oder Führungen gebunden, deshalb fragt man besser vorher bei der Gemeinde Albisola Superiore nach. Auch von außen ist viel zu lesen, angefangen beim Orangegelb der Fassaden, derselbe Ton, den einst die Bauernhäuser in der Ebene trugen, die zum Gut gehörten.

Tipp der Redaktion

Suchen Sie die Stelle, von der aus die Villa und die barocke Silhouette der Kirche San Nicolò zugleich zu sehen sind: Dort endete die von den Della Rovere entworfene Landschaft und begannen die Hügel. Die Bebauung der Nachkriegszeit hat den Raum dazwischen fast vollständig gefüllt, doch die Linie zwischen beiden Bauten lässt sich noch verfolgen, und schneller versteht man nirgends, was dieses Haus wirklich war: kein einzelnes Landhaus, sondern der Mittelpunkt einer neu geordneten Landschaft.

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