⛪ Kirchen und Heiligtümer

chiesa vecchia della Santissima Annunziata

📍 Varazze, Ligurien · 48/100

Das Stöhnen, das nachts aus der alten Kirche Santissima Annunziata drang, waren Schleiereulen. Sie nisteten im Zwischenraum zwischen Dach und Tonnengewölbe, das inzwischen eingestürzt ist, und daraus formte das Dorf eine Sage von Geistern und Teufeln, die den Verfall besser erklärte als die Wahrheit. Die Wahrheit ist geologisch: Das gesamte Gelände im Ortsteil Pero bei Varazze rutscht langsam und stetig talwärts. 1861 fertiggestellt, wurde die Kirche 1959 für den Gottesdienst geschlossen, keine hundert Jahre später, und 1968 endgültig aufgegeben.

Sehenswertes

Geblieben ist eine einsturzgefährdete Ruine, und man betrachtet sie von außen: Sämtliche Zugänge sind zugemauert. Die Steinmauern sind durchnässt, weil das Dach einen großen Teil seiner Ziegel verloren hat und den Regen durchlässt; die kleinen Gewölbe sind nacheinander gebrochen, die fest verbauten Ausstattungsstücke zerbröselt. Auf der rechten Seite hat der Putz jedoch gehalten: Dort sind noch einige Fresken zu sehen, gemalt in den Jahren unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg, und es ist der einzige Teil des Baus, der noch ein Bild trägt.

Die andere Hälfte der Sache steht gegenüber. Als die alte Kirche aufgegeben wurde, baute die Pfarrei eine neue, wieder der Santissima Annunziata geweiht, rund einen Kilometer entfernt und auf der anderen Seite des Teiro-Tals: Die beiden schauen einander über das Tal hinweg an, die eine aufrecht, die andere als Ruine, und dieser Vergleich lohnt die Fahrt mehr als jedes architektonische Detail.

Der Besuch

Die alte Kirche liegt an der Provinzstraße 542, die von Pero, einem Ortsteil von Varazze in der Provinz Savona, nach Stella San Martino hinaufführt. Von der Fahrbahn aus ist sie zu sehen; es gibt nichts zu zahlen und keine Öffnungszeiten, denn der Bau ist entweiht und verschlossen: Die zugemauerten Türen sind keine vorübergehende Maßnahme, sie sind die Sicherung. Wer mit dem Auto kommt, sucht besser eine Ausbuchtung, bevor er hält, denn die Straße ist schmal und hat keinen Gehweg.

Tipp der Redaktion

Wir gehen nicht an die Mauern heran und suchen keinen Durchschlupf: Der Hang bewegt sich weiter, und das Gebäude gilt als einsturzgefährdet. Der richtige Platz ist der gegenüberliegende Hang bei der neuen Kirche, von dem aus die alte ganz zu sehen ist, mit dem durchbrochenen Dach und dem Feld ringsum. Dort begreift man den Vorgang auf einen Blick.

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