Retorbido

Provinz: Pavia · Region: Lombardei · Einwohner: 1.506 · PLZ: 27050

Der örtlichen Überlieferung nach wurde Bertoldo hier geboren. Der schlaue Bauer aus den volkstümlichen Anekdoten und aus dem Buch von Giulio Cesare Croce soll in einem Ortsteil von Retorbido namens Casa Bertuggia zur Welt gekommen sein, und der Ort hält daran fest: Beim Polentone-Fest, das seit mehr als einem Jahrhundert am zweiten Märzsonntag stattfindet, wird der scherzhafte Dialog zwischen Bertoldo und König Alboin aufgeführt, jedes Jahr auf die Politik des Augenblicks gebracht, und danach werden Polenta und kleine Salami gratis an alle verteilt. Seit der Zeit des Humanismus wollte man in Retorbido überdies die alte ligurische Stadt Litubium erkennen, die Livius nennt: Der Dialektname rturbi bedeutet wörtlich «trüber Bach», und die Geografie passt, doch der endgültige Beweis fehlt, denn es fehlen die römischen Funde, die beide Epochen verbinden würden.

An Wasser hat der Ort ohnehin eher zu viel gehabt. Der Wildbach Rile floss durch die Ortschaft, und seine Hochwasser waren eine ständige Gefahr: Eines von 1815 tötete mehrere Menschen, ein weiteres kam 1863, und erst 1894 gelang es, ihn nach einem Entwurf der Ingenieure Meardi und Garrone aus dem Ortskern hinauszuleiten. Ein anderes Wasser hingegen machte Retorbidos Glück: die Schwefelquellen, seit der Renaissance bekannt und 1577 in einer Abhandlung des Paveser Arztes Teodoro Guainerio beschrieben. Das Bad hatte seine beste Zeit im neunzehnten Jahrhundert, mit einer modernen Anlage; es schloss zu Beginn des zwanzigsten, vor allem wegen der schlechten Verbindungen nach Voghera, und für den Ort war das ein harter Schlag.

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