Offida liegt auf einem Felssporn, den die beiden Quellarme des Lama-Bachs herausgeschnitten haben, zwischen dem Tal des Tesino und dem des Tronto. Am westlichen Ende des Orts, mit Abgründen auf drei Seiten, steht Santa Maria della Rocca: ein großer Ziegelbau in romanisch-gotischem Stil, den ein Meister Albertino 1330 über einer schon bestehenden kleinen Benediktinerkirche errichtete. Darunter aber liegt eine zweite: die Krypta hat dieselbe Fläche wie die Kirche über ihr, und sie ist ausgemalt — der Maler, den die Forscher den Meister von Offida nennen, hat in beiden gearbeitet. Der Name des Orts ist umstritten: in mittelalterlichen Urkunden erscheint er als Ofida, Ophida, Aufida, und von dieser letzten Form her hat man an einen Zusammenhang mit Aufidena oder mit der gens Aufidia gedacht; die Annahme, er komme vom griechischen óphis, Schlange, gilt als reine Erfindung. Das Theater von Offida heißt allerdings Serpente Aureo, goldene Schlange — und 2026 wurde es von der UNESCO zusammen mit neun weiteren Theatern Mittelitaliens zum Welterbe erklärt.
Eine sichere historische Spur gibt es erst ab 578, als die vor dem Langobardeneinfall fliehenden Leute von Ascoli mehrere Burgen auf den picenischen Hügeln gründeten, und Offida war eine davon. Die erste sichere Urkunde stammt von 1039: Longino d'Azone übergibt der Abtei Farfa die Burg Ophida, und von Farfa aus wird der Ort jahrhundertelang regiert, innerhalb eines presidato, das keiner Diözese unterstand. In den Kriegen zwischen Ascoli und Fermo hielten die Offidaner zu Fermo; 1831 erhob Gregor XVI. Offida in den Rang einer Stadt. Doch woran der Ort vom letzten Krieg erinnern will, sind nicht die Brücken, die die Deutschen beim Rückzug sprengten: es ist eine Familie. Im Jahr 1942 kamen die Ventura, griechisch-jüdische Flüchtlinge, unter Zwangsaufenthalt hierher, und die Talamonti versteckten sie und retteten sie vor der Deportation. Am neunzehnten November 1979 hat das Institut Yad Vashem in Jerusalem Adelino Talamonti und seinen Sohn Fides sowie Camillo Talamonti und seine Kinder Fernando und Emma als Gerechte unter den Völkern anerkannt: sechs Menschen aus einem einzigen Haus, für eine Familie, die sie sich nicht wegnehmen ließen.