Matelica

Provinz: Macerata · Region: Marken · Einwohner: 10.178 · PLZ: 62024

Auf der Piazza Enrico Mattei steht ein Brunnen, und um jenen Brunnen lief man aus einem sehr genauen Grund. Ein altes Gesetz der Grafen Ottoni verpflichtete jeden, der Bankrott gemacht hatte, zwölf Runden darum zu drehen und dabei zu rufen: «Ich habe meine Güter abgetreten, und darum soll mir nie wieder jemand trauen». Es war eine öffentliche Strafe, und der Ort hat sie behalten, indem er sie umkehrte: heute erhält, wer sieben Runden um den Brunnen geht oder läuft, unter Aufsicht eines Beauftragten des Vereins Pro Matelica, als Preis den Narrenschein. Die vier Figuren, die Wasser ins Becken gießen, blicken in die vier Himmelsrichtungen, und im Ort haben sie alle Spitznamen. Nicht weit davon liegt das Gässchen Orfanelle, das aber alle vicolo Basciafemmine nennen, Frauenkuss-Gasse, weil man dank seiner gewundenen Form ungesehen beiseitetreten konnte. Und in Braccano, dem größten Ortsteil, gibt es an den Außenwänden der Häuser, Ställe und Heuschober über fünfzig Wandbilder, zu verschiedenen Zeiten von Studenten der Akademien von Brera, Urbino und Macerata gemalt.

Den Namen dagegen kann niemand erklären, und die Quelle ist ehrlich genug, ihre eigenen Vermutungen eine nach der anderen zu zerlegen: es scheint keine anderen Orte auf der Welt zu geben, die so heißen, das keltische «Land der Wiesen» wird als wenig überzeugend bezeichnet, das griechische als noch gewagter, und das lateinische mater liquoris, Mutter der Wasser, hält nicht stand, weil im Gebiet kein Fluss entspringt und weil Plinius der Ältere sie schon Matilica nannte. Neuere Studien schlagen ein keltisches Mati-lika vor, Übersetzung des pikenischen Namens Kupra Vepets, gute Steinplatte. Jener Name hat sich jedenfalls als haltbarer erwiesen als die Stadt: Matelica wurde dreimal dem Boden gleichgemacht — von den Langobarden, dann 1174 vom Erzbischof von Mainz, dann noch einmal 1199 von einem Bund unter Führung Camerinos, wonach die Einwohner als Flüchtlinge in den Bergen lebten, bis der Kaiser 1209 den Wiederaufbau erlaubte. Man nannte sie Neue Burg des heiligen Hadrian, doch der alte Name kam sogleich wieder in Gebrauch. Im Jahr 1259 nahmen die Matelicesen Rache und zerstörten Camerino sechzig Jahre nach der Tat; sie erklärten sich König Manfred ewig treu und gingen nach dessen Tod so weit, einen päpstlichen Gesandten einzukerkern, um ihr Wort nicht zurückzunehmen.

🎉 Feste und Sagre in Matelica 1

Patronatsfest

Fest des heiligen Adrian

📅 Jedes Jahr am 16. September

Am 16. September feiert Matelica den heiligen Adrian; im Sommer richtet der Ort außerdem das Internationale Folklorefestival aus, organisiert vom Verein "Città di Matelica".

Was liegt in der Nähe

Luftlinie vom Ortskern. Tippe auf einen Punkt, um die Seite zu öffnen.