Der Dom Sant'Evasio ist das älteste Baudenkmal von Casale Monferrato, eine Kathedrale im lombardisch-romanischen Stil. Geweiht wurde er 1107 von Papst Paschalis II., dort, wo zuvor eine dem heiligen Laurentius gewidmete Kirche aus der Zeit Liutprands stand. 1215 im Krieg zwischen den Casalesern und einem Bündnis benachbarter Städte in Brand gesteckt, wurde er zwischen 1857 und 1861 vom Vercelleser Architekten Edoardo Arborio Mella auf Wunsch von Bischof Luigi Nazari di Calabiana stark restauriert.
Sehenswertes
Die Giebelfassade aus Sandstein und Backstein ist mit Zwillings- und Drillingsfenstern geschmückt und von zwei Glockentürmen des 13. Jahrhunderts mit Spitzhelmen gerahmt; sie wurde bei den Restaurierungen des 19. Jahrhunderts neu aufgebaut. Auf den beiden Säulen neben dem Eingang stehen Kopien der Statuen von König Liutprand und Königin Theodelinde: Die Originale befinden sich im Inneren. Hinter der Fassade liegt der Narthex, eine große Vorhalle, überspannt von Bögen aus Sandstein und Backstein, die sich in parallelen Paaren kreuzen, ungewöhnlich für diese Gegend. Ähnliche Bauten finden sich in Armenien und Georgien, und über seine Herkunft haben die Forscher mehr als eine Hypothese aufgestellt. Die 2001 abgeschlossenen Restaurierungen haben die vom Putz verdeckten Dekorationen wieder freigelegt.
Vom Narthex steigt man einige Stufen hinab und betritt die fünf schmalen Schiffe, überdeckt von Tonnen- und Kreuzgewölben, mit einer Empore aus Drillings- und Vierlingsöffnungen. Am Triumphbogen hängt ein über zwei Meter hohes Kruzifix, ein triumphierender Christus, mit Silberblech verkleidet, Krone und Lendentuch aus Kupfer: Es stand in der alten Kathedrale San Pietro in Alessandria, und 1403 nahm es der Söldnerführer Facino Cane mit, zusammen mit den Reliquien des heiligen Evasius. Die Reliquien des Patrons befinden sich in der ihm geweihten elliptischen Kapelle, im 18. Jahrhundert von Benedetto Alfieri entworfen, mit einem Gewölbefresko von Giovanni Battista Ronchelli. Im Gang der Sakristei sieht man die Mosaiken, die vor den Restaurierungen Mellas zum Fußboden gehörten: unter den Motiven Jona, vom Fisch verschlungen, und eine Chimäre.
Der Besuch
Öffnungs- und Gottesdienstzeiten sind bei der Kathedrale zu erfragen. Von der Kapelle Sant'Evasio geht der Rundgang «Sacrestia Aperta» aus: Er führt durch die ehemalige Sakristei, wo Goldschmiedearbeiten und Textilien ausgestellt sind, und erreicht die Sakristei, die eine kleine Gemäldesammlung mit einer Taufe Jesu von Gaudenzio Ferrari beherbergt.
Tipp der Redaktion
Suchen Sie die kleine Säule mit dem Christusmonogramm: Der Überlieferung nach bezeichnet sie die Stelle, an der der heilige Evasius das Martyrium erlitt, und es heißt, man höre das Blut des Heiligen fließen, wenn man das Ohr anlegt. Das Fest des Patrons fällt auf den 12. November.




