Das königliche Schloss von Racconigi liegt rund dreißig Kilometer südlich des Königspalasts von Turin und hat eine fast tausendjährige Geschichte. Die ersten Nachrichten einer Befestigung hier reichen ins elfte Jahrhundert, als das Gebiet zur Mark Turin gehörte; 1091, beim Tod der Markgräfin Adelheid von Susa, fiel das Lehen an die Markgrafen von Saluzzo, und Manfred II. ließ eine erste Burg auf quadratischem Grundriss mit Innenhof errichten. In der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts kam das Lehen an einen Zweig des Hauses Savoyen, und 1620 schenkte Herzog Karl Emanuel I. es seinem Sohn Tommaso Francesco, dem Stammvater der Savoyen-Carignano.
Sehenswertes
Damals war es noch eine mittelalterliche Festung: nackter Ziegel, quadratischer Grundriss, vier Ecktürme, Graben, Zugbrücke und ein hoher seitlicher Bergfried. Die Verwandlung in eine Delizia beginnt 1676, als Emanuele Filiberto Guarino Guarini den Entwurf übertrug: Im Hof errichtete Guarini einen großen Mittelbau mit Pagodendach und entwickelte auf den Sockeln der beiden Türme der Nordfassade zwei viergeschossige Pavillons, gekrönt von quadratischen Kuppeln mit Laternen aus weißem Marmor. Um den Park kümmerte sich André Le Nôtre, der Architekt der Gärten von Versailles.
Der Besuch
Die zweite große Phase ist klassizistisch. Ab 1757 beauftragte Ludovico Luigi Vittorio di Carignano Giovanni Battista Borra, der die Südfassade erneuerte und die viersäulige korinthische Vorhalle sowie den gezahnten Giebel palladianischer Prägung hinzufügte, davor die monumentale Freitreppe. Innen betrafen die Arbeiten den Herkulessaal, den Dianasaal und das Chinesische Appartement, ausgestattet mit kostbaren Tapeten aus Reispapier.
Tipp der Redaktion
Später wurde das Schloss zum Sitz der Königlichen Sommeraufenthalte bestimmt, dem Ort, an dem die königliche Familie Sommer und Herbst verbrachte, und das erklärt, warum es nicht wie ein Repräsentationsschloss wirkt: Es ist ein Landhaus von gewaltigem Ausmaß. Es gehört zum Kreis der Savoyer Residenzen und steht seit 1997 auf der UNESCO-Welterbeliste. Der Park ist so viel wert wie das Gebäude: Man plane einen halben Tag ein.
