🏺 Archäologische Stätten

Monte San Mauro

📍 Caltagirone, Sizilien · 47/100

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts legte der Archäologe Paolo Orsi auf den Hügeln über dem Tal des Flusses Maroglio die Reste der großen Siedlung von Monte San Mauro frei: erst einheimisch, dann griechisch, ist sie das am besten dokumentierte Grabungsgebiet im gesamten Gemeindegebiet von Caltagirone. Zu den freigelegten Bauten gehört ein Anaktoron, und der Ort wurde lange mit Euboia gleichgesetzt, einer Tochtergründung von Leontinoi.

Sehenswertes

Kern der Anlage ist die Siedlung auf den Anhöhen über dem Maroglio, wo die Grabungen einen Wohnbereich mit einem Kultplatz und eine Nekropole zutage gebracht haben. Unter den Gebäuderesten fällt ein Anaktoron auf, so heißt ein monumentaler Bau palastartigen Zuschnitts. Die Lage ist kein Zufall: Von hier aus kontrollierte man das Tal des Maroglio, jenes Flusses, der zum Golf von Gela hinabläuft, und die Siedlung gehörte zum Netz chalkidischer Zentren, die über das sizilianische Binnenland verstreut lagen. Die Funde erzählen von einer Gemeinschaft, die mit mehreren sikeliotischen Städten Handel trieb – dem nahen Gela, aber auch Selinunt und Syrakus.

Der Besuch

Monte San Mauro ist vor allem ein Ort, den man lesen muss. Hier ließen sich aller Wahrscheinlichkeit nach Siedler gemischter Herkunft unter chalkidischem Recht nieder: Sie bezogen bereits bestehende sikelische Dörfer und lebten vielleicht mit deren Bewohnern zusammen, oder sie gründeten eine Kolonie von Grund auf neu. Daher die doppelte Zuordnung, über die die Forschung geteilter Meinung ist – Euboia, Tochtergründung von Leontinoi, oder eine Siedlung unter der Herrschaft von Gela, in jedem Fall eng auf die chalkidische Welt bezogen. Das Ende war gewaltsam: Der Ort wurde mit ziemlicher Sicherheit absichtlich zerstört, und eine der Hypothesen bringt das mit dem Vormarsch des Hippokrates zur ionischen Küste in Verbindung, dem Feldzug, der ihm Naxos, Kallipolis, Leontinoi, Zankle und Katane einbrachte.

Tipp der Redaktion

San Mauro ist eine der südlichen Landgemarkungen von Caltagirone, von denen aus sich der Blick auf den Golf von Gela öffnet: Plane ein paar Minuten für die Aussicht ein, nicht nur für die Steine. Es ist ein Platz auf dem Land, weit weg von der Altstadt und ihrer berühmten Treppe, und du solltest ihn nehmen, wie er ist – die Erinnerung an eine Grenze, an der Sikelioten und Sikeler denselben Hügel teilten, kein städtisches Denkmal, das man rasch abhakt.

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