🏰 Burgen und Schlösser

Castello dei conti di Modica

📍 Modica, Sizilien · 50/100

Wer über die Grafschaft Modica herrschte — eine der mächtigsten Feudalherrschaften Süditaliens —, tat das jahrhundertelang von hier aus. Das Castello dei Conti steht auf einem Felssporn, der an zwei Seiten steil abfällt, und war Festung, Residenz und Gefängnis zugleich: Schon 1272 taucht es in einer Liste der königlichen Burgen auf und 1255 in einer päpstlichen Bulle, 1366 beherbergte es König Friedrich IV. von Aragón und 1401 Martin I. von Sizilien. Ab 1361 wurde hier auch Recht gesprochen, und die Ämter blieben bis 1865.

Sehenswertes

Von der alten Burg — einst fünf Türme, vier Tore und Mauern — ist zwischen dem Erdbeben von 1693 und den späteren Abrissen wenig übrig: Außen ragt noch ein polygonaler Turm aus dem 14. Jahrhundert auf. Herzstück des Besuchs sind die mittelalterlichen Kerker, die in den Fels des Innenhofs geschlagen wurden, eine Reihe kantiger Räume, jeder einer Kategorie von Gefangenen vorbehalten; für die gefährlichsten Räuber gab es zwei etwa sieben Meter tiefe Gruben, oben verschlossen durch ein Eisengitter, durch das Licht und Luft kamen, und eine davon ist noch zu sehen. Zum Hof hin öffnen sich die kleine Kirche der Madonna del Medagliere von 1930 und das, was von der Privatkapelle der Grafen, San Cataldo, geblieben ist. Seit Kurzem ist auch ein eindrucksvoller, in den Fels getriebener Gang wieder zugänglich: der alte Wehrgang, der den Sporn durchquert.

Der Besuch

Jüngste archäologische Grabungen, die parallel zum Umbau des neueren Teils der Burg laufen, bringen Keramik, Bronzemünzen, Grabbeigaben und Fundamente ans Licht, die von der Bronzezeit bis ins 19. Jahrhundert reichen: Schicht um Schicht der Geschichte Modicas. Vom Felsen aus beherrscht die Burg die Stadt, die zu ihren Füßen gewachsen ist.

Tipp der Redaktion

Such die beiden Gefangenengruben und den Wehrgang: Das sind die Stellen, an denen die Burg aufhört, eine Aussicht zu sein, und zu der Maschine aus Macht und Angst wird, die sie jahrhundertelang war. Ein Detail, das du nicht übersehen solltest: die zugemauerten Glockennischen an der Außenseite, die der Stadt einst die Stunden und die Ereignisse hinter den Mauern ansagten.

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