⛪ Kirchen und Heiligtümer

duomo di San Giorgio

📍 Modica, Sizilien · 50/100

Für den Kunsthistoriker Maurizio Fagiolo dell'Arco gehört er «zu den sieben Weltwundern des Barock»: Der Dom San Giorgio ist die Mutterkirche von Modica und das wirkungsvollste Sinnbild des sizilianischen Barock, aufgenommen ins UNESCO-Welterbe. Eine dem heiligen Georg geweihte Kirche ist hier schon in einer Bulle von Papst Eugen III. aus dem Jahr 1150 belegt, und ihre erste Gründung führt man auf den Grafen Roger von Hauteville um 1090 zurück. Der heutige Bau geht allerdings auf den Wiederaufbau im 17. und 18. Jahrhundert zurück, nach den Erdbeben, die Modica 1542, 1613 und vor allem 1693 trafen, beim verheerenden Beben des Val di Noto.

Sehenswertes

Alles wird von der 62 Meter hohen Turmfassade beherrscht: Die Arbeiten am ersten Geschoss begannen 1702 und endeten 1738, während die Bekrönung mit dem Eisenkreuz auf der Spitze erst 1842 dazukam. Der Entwurf der unteren Geschosse wird Rosario Gagliardi zugeschrieben, einem der bedeutendsten Architekten des europäischen 18. Jahrhunderts; seine Anlage inspirierte sogar die Fassade der Dresdner Kathedrale, die 1753 vollendet wurde. Das dritte Geschoss errichtete der aus Noto stammende Architekt Làbisi bis 1780; Bekrönung und Spitze stammen dagegen von Carmelo Cultraro aus Ragusa, zwischen 1841 und 1842. Eine wirkungsvolle Treppe mit 181 Stufen, im oberen Abschnitt 1814 vom Jesuiten Francesco Di Marco entworfen, führt zu den fünf Portalen hinauf, die die fünf Schiffe im Inneren ankündigen: Der Grundriss ist basilikal, ein lateinisches Kreuz mit drei Apsiden hinter dem Querschiff. In der Mitte ragt die Kuppel 36 Meter hoch auf.

Der Besuch

Der Aufstieg gehört zum Besuch: Die monumentale Treppe, im unteren Abschnitt erst 1880 nach einem Entwurf von Alessandro Cappellani Judica vollendet, hebt deinen Blick vom Corso bis zu den Portalen. Im Inneren geben die fünf Schiffe und die drei Apsiden dieser Mutterkirche ihren ungewöhnlichen Maßstab; schon 1630 wurde sie mit einer Bulle Urbans VIII. zur Kollegiatkirche erhoben. Die Gottesdienste, so erzählt es die Geschichte des Gebäudes, hörten fast nie auf, nicht einmal nach dem Einsturz der Dächer 1693.

Tipp der Redaktion

Nimm dir die Zeit, alle 181 Stufen zu steigen, und dreh dich auf halber Höhe um: Von dort zeigt die Turmfassade erst ihre wahre Größe. Es lohnt sich, den Besuch mit dem Dom San Pietro zu verbinden, der anderen Mutterkirche von Modica: Die jahrhundertelange Rivalität zwischen «sangiorgesi» und «sanpietresi», erst durch ein königliches Dekret von 1797 beigelegt, erzählt von der geteilten und stolzen Seele der Stadt.

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