Die Chiesa del Gesù, auch Kirche des Jesuitenkollegs, beherrscht die Piazza Ciullo in Alcamo und ist nach der Hauptkirche die zweitgrößte Kirche der Stadt. Die Jesuiten begannen sie 1684 mit eigenen Ersparnissen auf einem von der Gemeinde geschenkten Grundstück und verpflichteten sich im Gegenzug zu öffentlichen Arbeiten: sechs Stufen an der Porta Stella und die Verlegung des Brunnens mit Tränke von der Piazza Ciullo. Am 29. Juli 1764 eingeweiht, wurde sie 1767 vollendet, im selben Jahr, in dem die Jesuiten vertrieben wurden: Der Bau hatte achtzig Jahre gedauert, und die Alcamesen nannten sie Kirche des Rappezzo, des Flickwerks.
Sehenswertes
Die Barockfassade mit dorischen und ionischen Pilastern hat fünf Nischen mit den Statuen des heiligen Ignatius von Loyola, des heiligen Franz Xaver, der Madonna dei Miracoli und der Erzengel Michael und Raphael; seitlich stehen zwei Glockentürme mit Spitzhelmen, oben eine Marmorkrone zur Erinnerung an die spanische Herrschaft. Die drei unteren Statuen wurden von Garibaldis Truppen beschädigt, die am 17. Mai 1860 in die Stadt einzogen und mit Steinen und Gewehren auf sie zielten; 1931 restaurierte sie unentgeltlich der Bildhauer Giuseppe Bambina aus Alcamo. Über dem Mittelbalkon sitzt seit 1989 die Uhr.
Das Innere ist einschiffig mit Tonnengewölbe und Rokokostuck, 1767 vollendet, vielleicht von Giovanni und Francesco Russo, Schülern Lorenzo Curtis; die Kuppel hat ihre heutige Form seit 1962. Auf dem Hochaltar hängt die Beschneidung Jesu des Alcamesen Giuseppe Renda von 1797. Die vier Kapellen sind Ignatius, Franz Xaver mit einem Gemälde der Novelli-Schule, Aloisius von Gonzaga und Franz von Borja geweiht. Nahe dem Haupteingang steht das barocke Grabmal, um 1764, von Pater Vincenzo Abbati, der das Jesuitenkolleg bauen ließ.
Der Besuch
Man betritt die Kirche über die Steintreppe an der Piazza Ciullo, von den Einheimischen pietra di li Carrubbazzi genannt, oder durch den Seiteneingang in der Via Mazzini mit einem Weihwasserbecken aus Alabaster von 1500. Mess- und Öffnungszeiten sind beim Bistum Trapani zu erfragen.
Tipp der Redaktion
In der kleinen Kapelle am Eingang Via Mazzini steht der Christus an der Geißelsäule, die Holzfigur, die die Seiler, schon 1748 als Bruderschaft organisiert, als ihren Patron verehrten.



