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⛪ Kirchen und Heiligtümer

chiesa di San Michele

📍 Mazara del Vallo, Sizilien · 47/100

Am Gewölbe des Kirchenschiffs versucht der Teufel zu fliehen: Im Fresko des Triumphs des heiligen Michael über Luzifer ragt ein Teil von Luzifers Gestalt über die gemalte Fläche hinaus, als wollte er die Szene verlassen. Das ist das merkwürdigste Detail der Kirche San Michele in Mazara del Vallo, eines Barockbaus, den Georg von Antiochia im 12. Jahrhundert errichten ließ und der zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf Wunsch der Äbtissin Ausilia Lazzara neu aufgebaut wurde. Bischof Giuseppe Cicala weihte sie am 23. Januar 1678, woran eine Tafel gleich am Eingang erinnert.

Sehenswertes

Die Fassade im Geschmack der Neorenaissance entstand 1702 nach dem Entwurf von Alberto Orlando: zwei übereinandergesetzte Ordnungen, unten dorische, oben ionische Kapitelle, dazu vier Nischen mit den Statuen der Heiligen Bernhard, Benedikt, Scholastika und Gertrud. Auf dem Dreiecksgiebel sitzt der Erzengel Michael, gemeißelt von Fazio Gagini. Im Inneren hat die Kirche ein einziges Schiff unter einem Tonnengewölbe, ein kurzes Querhaus und eine tiefe Apsis; über der Vierung erhebt sich eine halbkugelige Kuppel auf zylindrischem Tambour. Die Wände gliedern zwanzig Figuren aus weißem Stuck von Bartolomeo Sanseverino, während die Fresken und die Leinwandbilder von Tommaso Maria Sciacca stammen: von ihm sind der Bethlehemitische Kindermord, die Heilige Familie, der Tod des heiligen Benedikt und, zu beiden Seiten des Presbyteriums, Abraham und Melchisedek sowie das Abendmahl in Emmaus. Entgehen lassen solltest du dir weder das Ziborium in Form eines Triptychons, das Antonello Gagini 1532 signierte, noch die große Sängerempore, die Natale Pugliese zwischen 1696 und 1702 baute. Die Stuckarbeiten im Inneren gehen auf 1697 zurück und wurden 1764 unter der Äbtissin Maria Benedetta Gerbino mit Gold angereichert.

Der Besuch

Über das Querhaus steht die Kirche mit dem angrenzenden Benediktinerinnenkloster in Verbindung, das an seiner Loggia mit zwölf Fenstern und bauchig vorgewölbten Gittern zu erkennen ist: Von dort verfolgten die Nonnen die Feiern, die auf dem Platz davor stattfanden. Neben der Klosterfront steht der Glockenturm aus dem 18. Jahrhundert, mit hohem Sockel, einem quadratischen Geschoss mit Uhr an drei Seiten, einem achteckigen Aufsatz und einem Türmchen unter einer kleinen Kuppel. An die Kirche schließt außerdem ein Gästehaus an, das zum Heiligen Jahr 2000 wieder in Betrieb genommen wurde. Zur Ausstattung gehört die silberne Statue des heiligen Vitus, die jedes Jahr bei 'u fistinu di Santu Vitu in der Prozession getragen wird.

Tipp der Redaktion

Bevor du gehst, schau zum Gewölbe hinauf und such die Stelle, an der Luzifers Gestalt die Ebene des Freskos verlässt: Dieser illusionistische Kunstgriff zeigt sich vor allem, wenn du die Szene von der Seite betrachtest und dich dabei zum Presbyterium hin bewegst. Wenn du in den Tagen des Fistinu di San Vito nach Mazara kommst, verlässt die Silberstatue die Kirche und begegnet dir in den Straßen der Stadt.

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