Der Aschlerbach, der durch das Gebiet von Gargazon herabkommt, ist einer der politischsten Wasserläufe Italiens: seit zweitausend Jahren lässt man ihn Grenze sein. In römischer Zeit trennte er die beiden Provinzen Rätiens, Raetia prima von Raetia secunda; 843 schied er Deutschland von Italien; um 1270 bezeichnete er die Südgrenze der Grafschaft Vinschgau zum Bistum Chur; zwischen 1800 und 1812 lag er zwischen dem Königreich Italien und der bayerischen Regierung in Tirol; und bis heute trennt er den Bezirk Burggrafenamt von jenem des Etschtals. Er ist ein Bach mit mehreren Wasserfällen und kann bei starkem Regen gefährlich werden: 1960 und 1966 überschwemmten seine Wasser die Obstgärten des Tals und richteten großen Schaden an.
Über dem Ort steht der Kröllturm, 1240 von Berthold von Trautson erbaut. Er ist kein Rest einer Burg: ringsum wurden nie Mauern gefunden, und es hätte nicht einmal Platz gegeben, eine zu bauen. Er war ein Wach- und Signalturm, von dem aus man die Straße des Etschtals überwachte; kam der Feind, entzündete man ein Feuer, kilometerweit sichtbar. Im September 1905 fand ein Bauer beim Graben im Turm dort sieben römische Münzen. Im 1968 angenommenen Wappen stehen eben der silberne Turm, ein roter Berg — die Farbe des Quarzporphyrs, an dem die Gegend reich ist — und drei Obstbäume, wovon man lebt. Eine letzte Sache, die die Zahlen besser sagen als jede Erzählung: 1850 waren zwei Drittel der Einwohner italienischer Sprache, 1880 neunundvierzig Prozent, 1890 vierunddreißig, 1900 wenig mehr als sechzehn. Heute sprechen vier Fünftel Deutsch.
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