Der Name sagt, dass hier der Damm begann. Die Fossiones philistinae, das Deichsystem der Etsch etwas weiter nördlich, gaben dem Ort den Namen Caput aggeris, «Kopf des Damms»: daraus Caputargilis, dann Caodarzere auf Venetisch und Cavarzere auf Italienisch. Die Burg dagegen gibt es nicht mehr: beschrieben als «große und schöne Festung, versehen mit Waffen und Vorräten», wurde sie im sechzehnten Jahrhundert abgerissen, um dem Dom und den unentbehrlichen Deichen am Fluss Platz zu machen. Im Stadtwappen steht sie noch, in natürlichen Farben gezeichnet: eine Burg, die seit fünf Jahrhunderten niemand mehr gesehen hat.
Im Jahr 1923 sollte Cavarzere zwischen den Provinzen Rovigo und Venedig aufgeteilt werden; die Bevölkerung protestierte, der Plan wurde zurückgezogen, und die Provinz Venedig schenkte der Gemeinde eine Säule mit dem Markuslöwen darauf, der nach Venedig blickt, um den Bürgern für ihre Treue zu danken. Dann kamen die beiden Wunden. Die Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs legten fast den ganzen Ort in Schutt — an der Deichmauer sind die Einschusslöcher noch zu sehen, und die Partnerstadt ist Cassino — und die Überschwemmung von 1951 trieb sehr viele Menschen fort, von denen viele sich in Settimo Torinese niederließen, mit dem die Gemeinde auch deshalb verschwistert ist. Das Rathaus ist der Palazzo Barbiani von 1892, und sein fünfundsechzig Meter hoher Glockenturm zählt zu den höchsten Venetiens.