Die Bewohner der alten Valpolicella hießen Arusnaten, und wir wissen es, weil Scipione Maffei zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts zwei Inschriftensteine fand, einen in Fumane und einen in Sant'Ambrogio, und sie zu lesen verstand. Ihr religiöses Zentrum war San Giorgio, wo heute die Pieve steht: Darin sind mehrere römische Altäre als Basen und Kapitelle der Säulen wiederverwendet worden, und die Inschriften nennen Gottheiten, die mit den Göttern Roms nichts zu tun haben — Cuslanus, Ihamnagalle, Sqnnagalle, Lualda. Im rechten Seitenschiff, unter einer Säule, steht ein Altar für Sonne und Mond, errichtet vom Priester Quintus Sertorius Festus: Offenbar verehrten allein die Arusnaten diese beiden gemeinsam.
Auf dem Hochaltar derselben Pieve stehen die Säulchen eines Ziboriums aus der Zeit des Langobardenkönigs Liutprand, und die Inschriften nennen die Namen derer, die es schufen: den König, den Bischof Domenico und drei Bildhauer, Orso, Iuvintino und Iuviano. Der Stein ist hier der Faden, der alles zusammenhält: Die Grabungen östlich der Kirche haben Häuser der Eisenzeit zutage gebracht, gedeckt mit Platten des rosafarbenen Kalksteins aus dem Bruch am Hügel darunter, und bis heute lebt der Ort von Marmor und Granit. Im Jahr 1863 gründete Graf Paolo Brenzoni eine Kunstschule für Steinmetze, die noch immer unterrichtet. Am 6. November 1944 zerstörte ein anglo-amerikanischer Bombenangriff den Ortskern von Sant'Ambrogio: Es gab achtundzwanzig zivile Opfer, und die Straße, in der die Gedenktafel steht, trägt das Datum jenes Tages.