Der Name kommt von der Distel — carditum, Ort der Disteln — oder, wie andere sagen, vom römischen cardo. Der Ort entstand wahrscheinlich zwischen dem zehnten und dem elften Jahrhundert, als die Byzantiner gegen die arabische Bedrohung Befestigungen im Landesinneren errichten ließen, jene kastra, die man hier motte nennt: eine war Motta Sant'Agata, deren casale Cardeto bis 1783 war, und deshalb ist der Ort noch heute in Sopra Casale und Sotto Casale geteilt. Wahrscheinlich waren es die Leute von Sant'Agata selbst, die auf der Suche nach einem sichereren Platz landeinwärts zogen und ihn gründeten. In Serra stehen die Ruinen einer Befestigung, die man den Sarazenenturm nennt, und von dort sieht man die Meerenge. Im Jahr 1595 kam der Erzbischof von Reggio zur Visitation und fand etwa dreihundert Seelen; der Pfarrer hieß Giuseppe Bova, und die Urkunde nennt ihn einen Griechen. Ganz eigenständig wurde die Gemeinde 1806.
Hier sprach man Griechisch und las die Messe auf Griechisch, und drei Jahrhunderte lang haben Reisende und Gelehrte weiter gemessen, wie viel davon übrig war. Im Jahr 1571 schrieb Barrio, die Bewohner benutzten im gewöhnlichen Reden Latein und Griechisch, den Gottesdienst aber hielten sie in griechischer Sprache und griechischem Ritus; dreißig Jahre später sagte Marafioti dasselbe von den beiden casali von Sant'Agata. Mitte des achtzehnten Jahrhunderts vermerkte Rodotà, in Cardeto und in Montebello überwiege das Griechische noch das Italienische. Im Jahr 1820 schrieb ein deutscher Reisender, hier spreche man ein gewisses verderbtes Griechisch, dies sei der erste Ort auf jener Seite der Provinz, wo Griechisch und Italienisch gesprochen würden, und das erste sprächen nur wenige. Bei der Zählung von 1881, der ersten Erhebung der Minderheiten nach der Einigung, galt die gesamte Bevölkerung noch als griechisch: eine bereits veraltete Verallgemeinerung, denn binnen vierzig Jahren sollte das Griechentum hier ganz untergehen. Die Erdbeben von 1783 und 1908 und ein Hochwasser des vorigen Jahrhunderts ruinierten die beiden Kirchen; jene des Patrons San Sebastiano wurde erst 2000 endgültig wiedereröffnet.