Der Glockenturm der Kirche ist ein Wachturm, unter dem einst eine Straße hindurchführte. Um 950 begannen die Langobarden, in dieser Ebene Militärtürme zu bauen, um sich gegen die Sarazenen zu wehren, die von Gragnano aus vergeblich versucht hatten, Amalfi zu erreichen; Jahrhunderte später wurde einer jener Türme zum Glockenturm der Kirche Santa Maria la Carità. Die Überlieferung will, dass die alte Verbindungsstraße zwischen dem Sarno und den Monti Lattari genau unter dem Turm hindurchlief, in Fortsetzung der heutigen via Pioppelle, und die großen Öffnungen am Fuß des Turms, die es noch gibt, hätten genau diesen Zweck gehabt. Im Jahr 1318 bestimmte König Robert von Anjou bei der Abgrenzung des Lehens Cancelleria eben diese Kirche zur Grenze. Als Gemeinde dagegen ist der Ort blutjung: Die ersten Gesetzentwürfe stammen von 1950, doch die Eigenständigkeit von Gragnano kam erst 1978.
In der Kirche der Madonna delle Grazie hing ein Bild von Sandro Botticelli. Seine Anwesenheit ist seit dem Ende des fünfzehnten Jahrhunderts belegt, als der Maler, auf Betreiben Papst Sixtus' IV., beschloss, diesem Gebiet eine Madonna mit Kind zu schenken, um sich bei den Medici beliebt zu machen, die hier Ländereien besaßen. In den sechziger Jahren wurde das Bild bei Restaurierungsarbeiten an der Kirche fortgebracht, und von da an verlor sich jede Spur. Es tauchte im Dezember 2023 wieder auf, in kritischem Zustand gefunden und sofort einer Notrestaurierung unterzogen. Der Kirche, die es beherbergte, geht es unterdessen selbst schlecht. Ringsum gibt das Land noch Tomaten, Obst, Oliven und Blumen, und auf den Feldern fand man römische Villen des ersten Jahrhunderts vor Christus, von denen einige noch ihre cella vinaria, frumentaria, olearia und fructuaria bewahren.