⛪ Kirchen und Heiligtümer

pieve dei Santi Stefano e Margherita

📍 Arcola, Ligurien · 48/100

Eine Ecke der Pfarrkirche ist glatt abgeschnitten, und das war keine Laune des Baumeisters: Am 23. April 1945, während der Befreiung von Arcola, war die Straße zwischen Kirche und Friedhofsmauer zu eng für einen amerikanischen Panzer auf dem Weg nach La Spezia, und so trug man die Kante ab. Zuvor hatte niemand die Erlaubnis erhalten, die Engstelle zu verbreitern, nicht einmal für die Überlandbusse; die Amerikaner fragten gar nicht erst.

Sehenswertes

Die Pieve steht in Baccano, einem Ortsteil von Arcola, und ist die Mutterkirche der ganzen Gemeinde: Eine Bulle von Papst Eugen III. aus dem Jahr 1149 führt sie unter den Gütern der Abtei Leno bei Brescia auf. Der vorromanische Bau wurde in gotischer Zeit umgeformt, und so liest man ihn heute: drei Schiffe, eine quadratische Apsis und daneben gleich gebaute Kapellen mit weiten Spitzbögen. Über dem Portal steht die Inschrift Terribilis est locus iste, „wie furchtbar ist dieser Ort“, das Wort Jakobs in Bethel, mit dem mittelalterliche Kirchen die Grenze zum Alltäglichen markierten.

Im Inneren stehen ein Marmortriptychon des 14. Jahrhunderts mit der Jungfrau zwischen den Heiligen Petrus und Johannes dem Täufer sowie eine Öltafel des 16. Jahrhunderts: Maria thronend mit dem Kind, umgeben von den Heiligen Margareta, Nikolaus, Bernhardin von Siena und Stephanus, gestiftet von den Verwaltern der Wallfahrtskirche Nostra Signora degli Angeli in Arcola. Die heilige Margareta von Rino Mordacci stammt dagegen erst von 1989. Draußen ließ der Bischof von Luni, Giovanni Battista Salvago, 1626 einen Brunnen aus Stein und Ziegel errichten; in der Mauer dahinter sitzen Marmorteile aus dem antiken Luni, darunter eine Maske, die wohl von einem römischen Sarkophag des 2. Jahrhunderts stammt.

Der Besuch

Baccano liegt wenige Minuten von Arcola und von der Hauptstraße des Magratals entfernt; der Platz vor der Kirche ist klein, man stellt den Wagen besser etwas früher ab und geht das letzte Stück. Die Pieve ist eine aktive Pfarrei im Vikariat Media Val di Magra, ihre Öffnung richtet sich also nach den Messzeiten: werktags kann sie außerhalb der Gottesdienste verschlossen sein.

Tipp der Redaktion

Gehen Sie einmal ganz um den Bau herum, bevor Sie eintreten. In wenigen Schritten kommen Sie von der wiederverwendeten römischen Maske zum Brunnen des 17. Jahrhunderts und weiter zur 1945 abgeschlagenen Ecke: drei Epochen, die dieselbe Steinwand gezeichnet haben, und keine davon wird von einer Tafel erklärt. Besser lässt sich nicht verstehen, warum ausgerechnet eine Kirche im Ortsteil die Mutterkirche der gesamten Gemeinde ist.

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