🏰 Burgen und Schlösser

torre pentagonale

📍 Vezzano Ligure, Ligurien · 43/100

Die Tür liegt nicht ebenerdig: Sie öffnet sich weit oben in der Wand, denn in einen Wachturm stieg man hinauf, statt hineinzugehen. Es ist das Detail, das den fünfeckigen Turm von Vezzano Inferiore am besten erklärt, im 12. Jahrhundert außerhalb der Dorfmauern errichtet, rund 15 Meter hoch, mit erhaltenen Schießscharten und einst über eine Holzbrücke sieben Meter über dem Boden mit der Burg verbunden.

Sehenswertes

Der Grundriss ist fünfeckig, eine seltene und keineswegs dekorative Wahl: Die Kanten lenken Geschosse ab und erweitern das Blickfeld. Innen ist der Turm in mehrere Geschosse geteilt; außen laufen die Scharten über die Seiten, und die Tür bleibt in der Höhe hängen, erreichbar nur über eine Leiter oder von der Brücke aus. Das war eine Maschine zum Verteidigen und zum Ausspähen: Von oben behielt man das ganze Tal darunter im Auge, und dass er außerhalb des Mauerrings gebaut wurde, sagt genug: Er sollte weit sehen, nicht sicher stehen.

Der Burg, an die er angebunden war, erging es anders: Von der Festung sind nur wenige Reste übrig, während der Turm noch in gutem Zustand ist. Diese Burg, der alte Herrensitz des Dorfes aus dem 10. Jahrhundert und einst im Besitz der Malaspina, wurde im 18. Jahrhundert neu aufgebaut und ist heute der Palazzo Giustiniani, mit Bruchstücken der alten mittelalterlichen Mauern; der Name geht auf die Hochzeit von 1832 zwischen dem Marchese Pietro Giustiniani und der Gräfin Teresa Picedi zurück, das letzte Glied einer Kette von Besitzern, die bei den Herren von Vezzano beginnt und über Ottaviani, De Nobili, Malaspina und Picedi läuft.

Der Besuch

Vezzano Inferiore hat einen ringförmigen Grundriss: Man umrundet den Kern und steht wieder am Ausgangspunkt, und der Turm taucht in jeder Kurve zwischen den Häusern auf und wieder unter. Ins Dorf tritt man unter dem Arco di San Giorgio ein, einem Spitzbogentor des 13. und 14. Jahrhunderts. Der Bahnhof an den Strecken Genua-Rom und Parma-La Spezia liegt unterhalb des alten Ortskerns; mit dem Auto verlässt man die A15 zwischen Santo Stefano di Magra und La Spezia und fährt bergauf. Der Rundgang zeigt den Turm von mehreren Seiten, am besten wirkt er von unten, wo man begreift, wie hoch diese Tür sitzt.

Tipp der Redaktion

Wir gehen zuerst in die Pfarrkirche Santi Sebastiano e Maria Assunta aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts: Am zweiten Altar des linken Seitenschiffs steht eine Pietà des Genuesen Anton Maria Maragliano. Und wenn wir uns das Datum aussuchen dürfen, kommen wir im September, wenn das Palio dei Rioni Vezzanesi ausgetragen wird und sich der Ort in Mannschaften teilt. Danach halten wir eine halbe Stunde für den Aufstieg nach Vezzano Superiore frei: Von der anderen Burg stehen dort oben nur Ruinen, und der Vergleich verschafft dem Turm Respekt.

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