Aus dem vorspringenden Mittelteil der Fassade führen zwei Marmorläufe hinab, die im Grundriss ein U beschreiben. Das ist die Zangentreppe der Villa Pratola, das eigenwilligste Stück der ganzen Anlage, und sie zeigt geradewegs auf die Staatsstraße 62 della Cisa, die alte Römerstraße. Die Villa steht in Madonnetta, im Ortsteil Ponzano Magra, und entstand in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts als Landhaus der Familie Remedi aus Sarzana: in denselben Jahren, in denen die Remedi in das Lehen Ponzano Superiore, damals eine Gemeinde mit eigenen Statuten, und in die Felder zu seinen Füßen investierten.

Sehenswertes

Die Hauptfassade ist nach Nordosten gerichtet und zeigt Barock des 18. Jahrhunderts in Reinform: geschwungene Brüstungen entlang der beiden Läufe und eine Attikamauer, die dieselbe Kurve wiederholt und den Umriss des Baus abschließt. Über die Front verteilen sich Marmorvasen und ein Aufsatz mit dem Wappen der Remedi. Der übrige Baukörper macht das Gegenteil: rechteckiger Grundriss, glatter Putz, keinerlei Zierrat. Der Gegensatz ist gewollt und bündelt die gesamte Schauwirkung am Eingang.

Der von zwei dorischen Säulen getragene Marmorbalkon ist eine klassizistische Zutat, sehr wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert; aus derselben Zeit stammen der Nordflügel, das Spiegelbild des südlichen, und die Fertigstellung des Gartens. Beide Seitenbauten dienten ursprünglich der Landwirtschaft. Der Garten folgt dem Klima des unteren Magratals: Zypressen, Zitronenbäume, Rosmarin, Palmen mehrerer Arten, Mittelmeerkiefer, Geranien, eine Atlaszeder und Buchsbaumhecken, ringsum Oliven und Reben. Das Erdbeben, das die Lunigiana 1920 traf, ließ die Decken teilweise einstürzen; sie wurden wieder aufgebaut. Die jüngste Restaurierung hielt sich an den Denkmalschutz, den die Genueser Behörde 1934 verfügt hatte.

Der Besuch

Ponzano Magra liegt an der Cisa-Straße zwischen Santo Stefano di Magra und Sarzana, und die Villa steht unmittelbar am Straßenrand: Fassade und Freitreppe lassen sich von der Straße aus vollständig überblicken, und das bleibt der natürlichste Standpunkt. Es handelt sich um einen privaten Wohnsitz, geführt in der Liste der historischen Häuser Italiens; feste Öffnungszeiten für die Innenräume gibt es nicht, Gelegenheiten ergeben sich bei Veranstaltungen und Aktionstagen. Mit der Bahn ist Sarzana der passende Bahnhof, wenige Kilometer südlich.

Tipp der Redaktion

Betrachten Sie die Treppe zuerst frontal und treten Sie dann ein paar Schritte zur Seite: Die geschwungenen Brüstungen zeichnen sich bei jeder Bewegung neu, genau dafür wurden sie gebaut. Kommen Sie früh am Morgen, wenn das Licht flach aus Nordosten einfällt und im Garten Amseln und Turteltauben sitzen. Fahren Sie danach hinauf nach Ponzano Superiore, das Bergdorf der Remedi: von dort oben versteht man, warum die Villa gerade dort unten steht, am Fuß des Lehens und mitten in den Feldern.

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