Am 19. Mai 1894 wurde Don Luigi Sturzo in dieser Kirche mit achteckigem Grundriss zum Priester geweiht und feierte hier seine erste Messe; aus demselben Bau, in dem seit 1962 seine sterblichen Überreste ruhen, klingt bis heute der Aufruf »an die Freien und Starken« nach, mit dem der Priester aus Caltagirone die Italienische Volkspartei gründete. Die Kirche Santissimo Salvatore bildet zusammen mit dem ehemaligen Benediktinerinnenkloster nebenan einen monumentalen Block in der Altstadt von Caltagirone: die Nonnen zogen 1457 hierher, und der Komplex wurde nach dem Erdbeben im Val di Noto von 1693 wieder aufgebaut, wohl nach einem Entwurf des einheimischen Architekten Nicolò Commendatore.
Sehenswertes
Die barocke Schauseite wird von der Mittelachse bestimmt, die dem achteckigen Tambour und der Kuppel entspricht. Doppelt gestellte Pilaster aus behauenem Stein mit korinthischen Kapitellen rahmen das große Portal und das Loggienfenster; auf dem Architrav des Durchgangs, geschmückt mit Voluten und stilisierten Akanthusblättern, prangt das Wappen des Benediktinerordens. Darüber schließen durchbrochene Glockenstuben und ein Giebel mit schmiedeeisernem Kreuz die Glockenfassade ab. Im Inneren ist der einräumige achteckige Saal von dichtem Stuckwerk überzogen. Die drei Marmoraltäre stammen von den Bildhauern Giovanni, Ignazio und Carlo Marino aus Catania; in der linken Nische bewahrt die Kapelle der Madonna di Monserrato die Marmorstatue, die Antonello Gagini 1532 schuf, während gegenüber die Kapelle des heiligen Benedikt das Bildnis des Heiligen aus Nursia aufnimmt. Auf dem Presbyteriumsaltar aus polychromem Marmor ist die Verklärung Christi von Marcello Leopardi zu sehen. 1962 entstand das Mausoleum Don Sturzos nach einem Entwurf des Architekten Ugo Tarchi und mit Skulpturen von Francesco Nagni: der Sarkophag aus gelbem Sieneser Marmor trägt die Gestalt des schlafenden Staatsmannes, flankiert von den Allegorien Religion, Vaterland, Freiheit und Volk.
Der Besuch
Gegenüber den Altären versetzt, erinnern vier Nonnenemporen von 1794 hinter dichten Gittern aus geschnitztem und bemaltem Holz an die Klausur: von dort folgten die Nonnen den Gottesdiensten, ohne gesehen zu werden. Wegen ihrer Kunstwerke und gerade wegen des Mausoleums wurde die Kirche in den Bestand des Fondo edifici di culto aufgenommen. Ein Teil des Schatzes – Gaginis Madonna di Monserrato, zwischen 1731 und 1797 in messinesischen und palermitanischen Werkstätten gefertigtes Sakralsilber, das hölzerne Nonnenchorgestühl des 18. Jahrhunderts – ist heute im Bischofspalast der Kurie von Caltagirone ausgestellt.
Tipp der Redaktion
Der Platz vor der Kirche heißt auch Largo di San Domenico, nach der gleichnamigen Kirche, die ihm gegenübersteht: wer hierherkommt, findet zwei Gotteshäuser an ein und demselben Platz. Such vor dem Eintreten das Benediktinerwappen am Portal: es ist die Signatur der Nonnen, die jahrhundertelang hinter jenen Holzgittern in Klausur lebten.
