Der Überlieferung nach entstand das Heiligtum Maria Santissima di Gibilmanna an den Hängen des Pizzo Sant'Angelo als eines der sechs Benediktinerklöster, die der heilige Gregor der Große vor seiner Wahl zum Papst im Jahr 590 aus eigenen Mitteln gründete. Die Anlage liegt auf rund 800 Metern Höhe im Gemeindegebiet von Cefalù; nach der Ankunft der Araber im Jahr 858 verfiel sie und wurde in normannischer Zeit wieder aufgebaut. 1535 führte Pater Sebastiano Majo da Gratteri hier die Kapuzinerreform ein und errichtete neben der alten Kapelle ein erstes Kloster mit sechs Zellen. Das Heiligtum wurde zu einem geistlichen Bezugspunkt für ganz Sizilien, bis Papst Pius XII. Maria Santissima di Gibilmanna 1954 zur Schutzpatronin der Diözese und der Stadt Cefalù erklärte.
Sehenswertes
Die heutige Fassade der Kirche wurde 1907 im neugotischen Stil neu errichtet, nachdem der Portikus aus dem 17. Jahrhundert eingestürzt war. Auf dem Vorplatz steht das Denkmal für den heiligen Franziskus, das der Bildhauer Francesco Garufi 1927 nach einem Entwurf des Architekten Misuraca schuf. Im Inneren bildet die Marienkapelle das künstlerische Herzstück: Sie wird beherrscht vom Marmoraltar, den der Palermitaner Baldassarre Pampilonia 1785 aufstellte und der ursprünglich für die Kathedrale von Palermo bestimmt war. Zum Altar gehören die Marmorstatuen Johannes des Täufers von Scipione Casella und der heiligen Helena von Fazio Gagini. In derselben Kapelle findest du ein byzantinisches Fresko der Madonna mit dem Kind, das vor dem Abriss der alten Benediktinerkirche zu Beginn des 17. Jahrhunderts von deren Wänden abgenommen wurde, sowie ein byzantinisches Kruzifix, das der Überlieferung nach zu einem Klostervorsteher gesprochen haben soll. Die verehrte Marienstatue auf dem Sockel trägt die Inschrift, die der Einsiedler Giuliano Piazza da Mussomeli in Auftrag gab, und wird Antonello Gagini zugeschrieben. Über dem Hochaltar hängt das Altarbild der Himmelfahrt Mariens, gemalt zur Wiedereröffnung der Kirche 1625; unter den Gemälden fällt ein Christusbild auf, das Pater Sebastiano 1576 mit Farben aus Pflanzen der Umgebung anfertigte. Der alte Stall des Klosters beherbergt heute das Museum Fra Giammaria da Tusa.
Der Besuch
Neben der Kirche aus dem 17. Jahrhundert, die zwischen 1619 und 1623 unter dem Guardian Pater Sigismondo da Pollina erweitert wurde, kannst du auch die Innenhöfe des Klosters und das Museum Fra Giammaria da Tusa besichtigen. Zur Anlage gehören außerdem das 1958 eingeweihte Seminario Serafico sowie Räume für Restaurierungswerkstätten und ein Holztheater.
Tipp der Redaktion
Such in der Marienkapelle nach der lateinischen Inschrift am Sockel der Marmorstatue der Jungfrau: Sie nennt den Einsiedler Giuliano Piazza da Mussomeli, der örtlichen Erzählungen zufolge im hohlen Stamm eines großen Kastanienbaums in der Nähe des Heiligtums lebte.
